Wandteppiche von Ruth von Fischer (1911-2009) aus der Zürcher Helferei (1976) und dem Gemeindehaus in Muri (1977)
In der Zürcher Helferei, ein Kulturzentrum in der Altstadt unweit des Münsters, hing bis in die späten 1990er Jahre ein Wandteppich, zunächst im Eingangsbereich der Grossmünsterkapelle (die zur Helferei gehört), später in einem rückwärtigen Dritten-Welt-Laden. Der Teppich hat eine Größe von 2 x 1,2 Meter und ist ein Werk von Ruth von Fischer (1911-2009). Diese kam frühzeitig mit Kunst in Berührung: Gelegentlich durfte sie in ihrer Kindheit ihre Patin Bertha von Fischer beim Aquarellieren begleiten. Sie ließ sich dann an der Gewerbeschule Bern zur Zeichenlehrerin ausbilden, studierte in München und machte viele Auslandsreisen, bis sie Zeichenlehrerin in Bern wurde. Seit den 1960er Jahren befasst sie sich mit Stoffdrucken und mit dem Gestalten von Wandteppichen, auch einige Kirchenfenster sind von ihr gestaltet worden.

Der Züricher wie ein ähnlicher Teppich in Muri bei Bern (s.u.) wurden zur gleichen Zeit entworfen und hergestellt, derjenige aus Zürich von 1975 bis 1976, also kurze Zeit vor dem Teppich in Muri. Wenngleich dieses erste Kunstwerk kleiner als in Muri ist, wurde doch 1.500 Stunden daran gearbeitet, wobei ein Team um Ruth von Fischer damit beschäftigt war. Die Frauen, die an diesem Teppich arbeiteten, wohnten zumeist an der Aare und wollten gerne das Wasser darstellen, deshalb wählten sie dieses Thema. Der Lebensfluss strömt aus drei blauen Toren der Stadt und entspringt letztlich aus dem Christuslamm im Zentrum der Stadt. Neben den drei Toren sind noch vier Türme zu sehen, die die ganze Stadt eher als Burganlage erscheinen lassen. Auf der Rückseite sind die Mitwirkenden namentlich angeführt es waren: Anni Arpargus, Unette Baillod, Ida Baumberger, Rösli Burri, Trudy Fischer, Elsi von Grebel, Mädi Grundmann, Violet Höfner, Claudia Hürlimann, Elsy Lang, Aline Nietlispach, Jeanne von Orelli, Olgi Pfändler, Margrit Reinhardt, Trudi Reinhardt, Olga Reiser, Erna Scheller, Jdy Scheuchzer, Hedwig Strehler, Emmi Ulrich, Martha Widmer.


Der Wandteppich zu Muri (4 x 2 Meter) war bis zum Frühjahr 2010 im Kirchengemeindehaus in Muri aufgehängt. Einst wurde das Kunstwerk in schätzungsweise 4.300 Arbeitsstunden zwischen 1976 und 1977 hergestellt. Im Vergleich zur ersten Arbeit wurden minimale Änderungen vorgenommen: So sind die drei Stadttore hier nicht rechteckig, sondern rund. Das Lamm blickt hier zur linken Seite, wie auch der Lebensfluss seine Richtung geändert hat.
Ruth von Fischer, in: Heimatwerk, 33, 1, 1968, S. 21.
Susanne Kramer: Fünf Brote und zwei Fische. Ruth von Fischer, Kunst als Gemeinschaftswerk, Zürich 1981.
Anne Wanner-JeanRichard (sic!), Henriette Stoll-JeanRichard, Stephan JeanRichard-Chervet (Hrsg.): Festschrift Ruth von Fischer zum 80. Geburtstag, Rheinfelden 1991.



