1880 um, Russland, Arkadenjerusalem © Zelichenko A. I.

Russisches Arkaden-Jerusalem (um 1880)

Diese Ikone mit einer Darstellung entstand in den 1880er Jahren in Russland. Wo genau ist ebenso unbekannt wie der Auftraggeber oder die ausführende Werkstatt. Wie viele dieser Arbeiten zeigt der unbekannte Meister uns unten links das Paradies mit der Paradiespforte und rechts eine detailfreudige Hölle. Dazwischen schiebt sich eine Schlange in die obere Hälfte, die mit zahlreichen Heiligen und Engeln besetzt ist. Die obere ist von der unteren Sphäre durch zwei horizontale Wolkenbänder in gelber und dann in rosa Färbung abgegrenzt. Ein vertikales Band, auf dem Heilige aus dem unteren Bereich sich noch in die Stadt retten können, gibt es auf dieser Ikone nicht. Über dem ersten Wolkenband stehen die Heiligen, über dem zweiten Band findet man oben links das Himmlische Jerusalem. Die Stadt besteht vorne aus einer orange-rosanen Mauer, in der eine Hauptpforte positioniert wurde. Diese Hauptpforte ist als Torhaus gestaltet und wurde mit einem Wächterengel besetzt. Aus der Mauer schrauben sich graue korinthische Säulen nach oben, die sich zu drei Arkaden vereinen. In diesen Arkaden feiern, wie schon auf Vorbildern frühneuzeitlicher Ikonen, Heilige beiderlei Geschlechts das ewige Abendmahl. Im Hintergrund jeder Ikone findet man etwas Grün: dies ist eine Reminiszenz an den Paradiesgarten, der als alttestamentarischer Vorläufer des neutestamentarischen Himmlischen Jerusalem gilt. Die gleichen Pflanzenelemente findet man übrigens auch auf dieser Ikone bei der Paradiesdarstellung unten rechts, über den drei Patriarchen. 

Claus Bernet: Ikonen des Weltgerichts, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 37).

 

tags: Weltgericht, Russland, Arkadenjerusalem
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