Bartholomäus-Meister: Wandfresko aus San Bartolomeo in Ferrara (1270-1294)

Der „Palazzo dei Diamanti“ beherbergt eine Kunstsammlung zur lokalen Geschichte der Stadt Ferrara in der oberitalienischen Region Emilia-Romagna. Neben Gemälden und Möbeln finden sich im großen Hauptsaal des Palastes auch einige mittelalterliche Fresken aus umliegenden Kirchen, die man aus konservatorischen Gründen hierher brachte. Darunter sind auch solche aus der ehemaligen Abtei San Bartolomeo. Diese Kirche und das Kloster wurden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit hochwertigen Fresken ausgestattet. Für den unbekannten, im byzantinischen Stil geschulten Meister hat man den Notnamen „Bartholomäus-Meister“ (nicht zu verwechseln mit dem „Meister des Bartholomäus-Altars“) gefunden. Der obere Bereich eines der Freskenfragmente zeigt in einem spitzbogigen Segment zahlreiche Bauten in hellen Pastelltönen vor einem blauen Hintergrund. Dominiert wird die Stadt von zwei fast symmetrischen Bauten in grüner Färbung, die einer dreischiffigen römischen Basilika ähneln. Dazwischen wurden hauptsächlich Türme und Kuppeln gesetzt. Diese kompakte und geschlossene Stadt wird oben durch eine offene Stadt ergänzt, die leider zu fast fünfzig Prozent verloren gegangen ist. Zwischen beiden Bereichen schiebt sich ein Fries mit Porträts von neun Heiligen aneinander. Ein rotfarbenes Haupttor schließt die Stadt nach oben hin ab, wobei es sich um eine echte Wandöffnung handelt.

Jadranka Bentini (Hrsg.): La pinacoteca nationale di Ferrara. Catalogo generale, Bologna 1992.
Elisabetta Maragno: Gli affreschi dell’abbazia di San Bartolomeo a Ferrara, in: Musei ferraresi, 18, 1999, S. 9-17.
Claus Bernet: Denkmalschutz, Denkmalpflege und UNESCO-Weltkulturerbe, Norderstedt 2020 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 47).

 

Beitragsbild: Sailko, Maestro di san bartolomeo, ascensione, apostoli, storie di s. bartolomeo ed evangelisti, da s. bartolomeo a ferrara, 1264-90 ca. 16, CC BY-SA 4.0

tags: Museum, Gotik, Italien, Emilia-Romagna, Schaden, Pastell, Basilika, Mittelalter
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