Wandfresko der Kirche St. Martin in Čerín (um 1410)

Čerín (Tscherin) ist ein entlegenes Walddorf in der zentralen Slowakei unweit der Stadt Zvolen. Die dortige mittelalterliche Wehrkirche, der wichtigste Bau der Siedlung, ist bei Fachleuten für seine Wandmalereien bekannt. Heute ist es, nach zwei Weltkriegen und sozialistischer Diktatur, eines der wenigen erhalten Beispiele für mittelalterliche Wandmalereien in diesem Kulturraum, der viele Jahrhunderte nach Österreich-Ungarn hin ausgerichtet war.
Die Fresken an der Nordwand des Presbyteriums der Zeit um 1410 wurden von unbekannten Meistern angebracht, man vermutet Mönche aus der Steiermark. Die Malereien zeigen das Jüngste Gericht. Links, wie bei diesem Genre üblich, befindet sich das Himmlische Jerusalem. Es ist eine asymmetrische Agglomeration von Bauteilen, die links einen Einblick in das Innere gewährt, wo sich Engel befinden. Rechts hat die Stadt eine Pforte in das Innere. Davor findet sich eine Gruppe Geretteter ein. Sie werden von einem rotgekleideten Engel begleitet, während ein Engel im weißen Gewand andere Menschen davon abhält, in die rettende Stadt zu gelangen.
Schon relativ kurz nach ihrer Entstehung wurden die Malereien in der Reformationszeit übertüncht und von P. J. Kern von 1929 bis 1931 wieder freigelegt. 1975 erfolgte eine umfangreiche Restaurierung der Malerei. 

Vlasta Dvořáková: Středověká nástěnná malba na Slovensku, Praha 1978.
Zita Janotkova: Cerin, Banská Bystrica 1994.
Karol Kahoun: Gotická sakrálna architektúra Slovenska, Bratislava 2002.
Dušan Buran (Hrsg.): Dejiny slovenského výtvarného umenia. Gotika, Bratislava 2003.

 

tags: Weltgericht, Mittelalter, Gotik, Slowakei, Wehrkirche
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