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Fresken der Kirche von Saint-Mars-de-Locquenay (um 1300)

Saint-Mars-de-Locquenay ist eine kleine Gemeinde von unter fünfhundert Personen des Departments Pays-de-la-Loire. Baukulturelles Zentrum ist die mittelalterliche Dorfkirche mit ihren Wandmalereien aus der Zeit um 1300.
Ganz ähnlich wie auf dem Wandgemälde der Abtei zu Lagrasse, die etwa zur gleichen Zeit entstanden ist, zeigt sich die Himmelsstadt als mehrstöckige Arkadenreihe (Typus Arkadenjerusalem). Zwischen romanischen Säulen sind insgesamt neun männliche wie weibliche Personen zu sehen, die durch ihre thronende Position und vor allem durch Kronen als Adelige, vielleicht Fürsten oder Könige, dargestellt sind. Es sind aber hier nicht historische Herrscher des französischen Adels, sondern es wird auf die Vorstellung angespielt, dass im Himmlischen Jerusalem Märtyrer und Märtyrerinnen eine Krone erhalten und wie Herrscher leben dürfen.
Die Personen sind in drei Reihen von Arkaden gesetzt und blicken frontal zum Betrachter. Die Person in der obersten, zweiten Arkade ist durch das dunkelrote Gewand und die thronende Position hervorgehoben, vielleicht handelt es sich um Christus. Solche Arkadenreihen, die jeder Person einen bestimmten Platz zuweisen, versinnbildlichen übrigens auch die streng ständische Gesellschaft des Mittelalters, in der nicht die Person, sondern der durch sie repräsentierte Stand das Entscheidende war. Diese soziale Einteilung, stellte man sich vor, würde auch im Jenseits weiter fortbestehen, wie ohnehin das Diesseits im Mittelalter lediglich eine Vorspiegelung der jenseitigen Verhältnisse war und von dort ihren Sinn erhielt. Das Himmelsreich versinnbildlichte Ordnung, die Hölle Unordnung und Chaos.

Paul Deschamps, Marc Thibout: La peinture murale en France au début de l’époque gothique, Paris 1963.
Claus Bernet: Wandmalereien, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 17).

 

tags: Department Pays-de-la-Loire, Krone, Märtyrer, Arkaden, Frankreich, Gotik, Mittelalter
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