Bartolomé Esteban Murillo (1617-1682): Darstellungen der Maria Immaculata (um 1640, 1653, um 1655)

Zunächst existiert heute noch ein Kupferstich, entworfen von dem andalusischen Meister Bartolomé Esteban Murillo (1618-1682). Es ist eine seiner frühen Arbeiten, an der möglicherweise noch andere Kollegen mit am Werk waren, gestochen wurde sie von einem ansonsten weniger bekannten Künstler Francisco Heylan (Archiv der Abtei Sacromonte, Granada). Die Familie Heylan waren Illustratoren flämischer Herkunft aus Granada; unter ihnen setzte sich in Granada der Kupferstich an Stelle des Holzschnitts durch. Dieser Kupferstich der Maria Immaculata wurde 2012 der Öffentlichkeit auf der Ausstellung „Imago Imaginis“ in Granada näher vorgestellt und zahlreiche Eigenarten dieser rätselhaften Arbeit diskutiert. Er zeigt Maria auf einer nach unten gedrehten Mondsichel, darunter ein mehrköpfiges Drachenmonster. Links findet sich ein weiteres Tier, ein Wal vor einer aufgehenden Sonne, daneben unterschiedliche Bauten der Stadt Gottes, allerdings, was man kaum einmal findet, ohne Stadtmauern. Im oberen Abschluss wurden, was ebenfalls als Besonderheit zu vermerken ist, gleich zwei Himmelspforten in die jeweilige Ecken gesetzt. Es sind Renaissancebauten mit Segmentgiebeln, beide offen stehend. Der linke unterscheidet sich alleine dadurch, dass eine lange Treppe oder Himmelsleiter zu ihr führt. Der eigenwillige Kupferstich fand kaum Verbreitung und auch keine Nachahmer, in der Wissenschaft blieb er bis 2012 unbeachtet.

Sehr schematisch-einfach gehalten ist diese Himmelspforte von dem andalusischen Meister Bartolomé Esteban Murillo (1618-1682) auf seinem Ölgemälde „La Inmaculada con Fray Juan de Quirós“ aus dem Jahr 1653. Auf dem 241 x 341 Zentimeter großen Werk findet man ganz oben rechts, in Nähe des aufgemalten Illusionsrahmens, einen kleinen, golden erscheinenden Rundbogen. An drei Seiten ist diese Pforte von Wolken umgeben, an der vierten Seite deutet ein Putto vorwitzig auf die Himmelserscheinung. Das Gemälde ist heute Teil der Schätze des Erzbischöflichen Palastes von Sevilla und war vermutlich einst für das Bistum in Auftrag gegeben worden.

Enrique Valdivieso, Juan Miguel Serrera Contreras: Catálogo de las pinturas del palacio arzobispal de Sevilla, Sevilla 1979.
Falcón Márquez: El palacio arzobispal de Sevilla, Córdoba 1997.

 

Unmittelbar nach „La Inmaculada con Fray Juan de Quirós“ erhielt der Meister um 1655 den Auftrag für eine ähnliche Malerei, allerdings ohne Mönchfigur. Sie befindet sich heute im Museum der Sakralkunst im ehemaligen Kloster von Santa Mónica im mexikanischen Puebla mit seiner beachtlichen Sammlung von Ölgemälden aus dem 17. Jahrhundert, zusammengetragen aus Nachlässen, aufgelassenen Klöstern und profanierten Kirchen. Eines der Bilder zeigt die Maria Immaculata mit ihren Symbolen, auch auf dem Original kaum sichtbar, eine offene Himmelspforte, wie auf der Vorlage mit goldener Füllung, leicht schief oben rechts eingesetzt, von Putti umgeben.

 

Eine andere Malerei wird Bartolomé Esteban Murillo um 1655 zugeschrieben. Auch hier ist das Thema die Maria Immaculata mit ihren Symbolen gemäß der Lauretanischen Litanei. Hier zeigt sich aber, wie anders das Thema vom gleichen Maler oder zumindest von der gleichen Malerschule umgesetzt werden konnte. In der Stadt San Martín Texmelucan im Bezirk Puebla (Mexiko) ist die franziskanische Klosteranlage Santa Maria Magdalena beheimatet. Das im 17. Jahrhundert gegründete Kloster ist das älteste der Stadt. In einem der barocken Seitenaltäre befindet sich das Ölgemälde mit dem Titel: „La Apoteósis de la Inmaculada por la Orden Seráfica“, zu Deutsch etwa: „Die Apotheose der Heiligen Jungfrau nach der Ordnung der Engel“. Über drei Mönchen, selbstverständlich Franziskanern, erscheint hier die Jungfrau Maria mit ihren Symbolen. Unten ist dies eine Lilie, rechts oben ein Spiegel sowie der Turm Davids und links eine Himmelsleiter sowie eine einfache Himmelspforte. Diesmal findet sich kein Putto in Nähe der Porte. Auch glänzt die Pforte nicht golden, sondern erscheint in einem Grau mit einem dunklen, fast schwarzen Eingang. Vorlage zu dieser Konzeption war die „Virgin del Buen Aire“ aus der Kathedrale zu Lima.

 

tags: Maria Immaculata, Andalusien, Spanien, Porta Coeli, Mexiko, Neuspanien, Erzbischöflicher Palast Sevilla, Franziskaner, Apotheose
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