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Charles de Bouelles: Liber de intellectu (1510)

Eine der ersten schematischen, tendenziell abstrakten Ansichten des Himmlischen Jerusalem in der Frühen Neuzeit legte Charles de Bouelles (1479-1567) vor. Er war ein französischer Theologe, der bedeutendste Schüler des Reformhumanisten und Bibelübersetzers Jakob Faber Stapulensis (1450 oder 1455-1536).
In fast allen seinen Büchern kommt de Bouelles auf Jerusalem zu sprechen, oft bereits im Titel, am deutlichsten wohl in seiner im Jahr 1531 gedruckten Schrift „De Laude Hierusalem liber unus“ („Lob Jerusalems, Band 1“). In seinem Kompendium „Liber de intellectu“ („Buch des Verstandes“) von 1510 ist auf Seite 170 der einfarbige Grundriss einer schematischen Stadt eingefügt. In der Mitte dieser Stadt befindet sich der Thron Gottes, beschriftet mit „Ihesus Rex“. Dieser Thron oder, nach anderer Lesart, diese Krone, ist um 90 Grad versetzt in ein Quadrat eingefügt, in dessen vier Zwickeln sich die Buchstabenfolge Hie-ru-sa-lem finden lassen. Um dieses innere Quadrat ziehen sich die Tore der Stadt, an jeder Seite drei, beschriftet mit den zwölf jüdischen Stämmen. Diese im Umriss quadratische Anlage ist der Ausgangspunkt von jeweils zwölf Planeten, Edelsteinen, alt- wie neutestamentlichen Personen, Gemütszuständen, etc.: Jerusalem ist quasi Ausgangspunkt des gesamten Wissens, der Schöpfung und der Gelehrsamkeit.
In ihrer Perspektive könnte die Zeichnung auch eine Pyramide von oben zeigen, ebenso ein Blick von unten in eine Pyramide wäre denkbar, wenngleich technisch nicht umzusetzen. Neben dem Quadrat ist die Pyramide bekanntermaßen eine der beiden möglichen Grundformen des Himmlischen Jerusalem, bei dem Länge, Breite und Höhe gleich lang sein müssen.

Charles de Bouelles: Liber de intellectu, Paris 1510.
Joseph M. Victor: Charles de Bovelles, 1479-1553: An intellectual biography, Genève 1978.
Ernst Cassirer: Individu et cosmos dans la philosophie de la Renaissance, Paris 1983.

 

tags: Humanismus, Pyramide, Holzschnitt, Krone, Thron, Stadtgrundriss, Wissen
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