Simon Bening (um 1483-1561): Maria Immaculata aus dem Grimani-Brevier (um 1500)

Zeittypisch für die Umwelt Martin Luthers war die innige Marienverehrung des Spätmittelalters. Aus der Zeit um 1500 stammt das flämische Grimani-Brevier aus der venezianischen Biblioteca Nazionale Marciana. Fol. 831r zeigt die Maria Immaculata mit vielen ihrer Symbole nach der Lauretanischen Litanei. Der Ausschnitt zeigt Maria, die auf einer Mondsichel über der Stadt Gottes schwebt. Es ist eine realistische Wiedergabe einer spätmittelalterlichen Stadt, man sieht vor allem mächtige Kirchen, wie man sie in Antwerpen, Gent oder Brügge finden konnte, dazwischen bürgerlicher Häuser. Alles ist in ein bläuliches Licht getaucht. Nach vorne schützt die Stadt eine niedrige Mauer – diese ist hellbraun gehalten, auf ihr findet man in vergoldeten Buchstaben die lateinische Beschriftung „Civitas Dei“. Die ist der einzige konkrete Hinweis, dass es sich um die Gottesstadt handelt.
Rechts auf einem Berg befindet sich die Himmelspforte. Sie ist mehr als eine einfache Pforte, fast schon eine städtische Anlage mit zwei runden Seitentürmen und einem mittigen Hauptturm. Das Gatter darunter ist hochgezogen, die Pforte steht offen. Der Miniaturist dieses Blattes war der flämische Miniaturmaler Simon Bening (um 1483-1561), der in Brügge tätig war.

Das Brevier Grimani in der Markus-Bibliothek in Venedig, Venezia 1906.
Horst Wolf: Die Meister des Breviarium Grimani, Berlin 1928.
Breviarium Grimani. Faksimileausgabe der Miniaturen und Kommentar, hrsg. von Andreas Grote, Berlin 1973.
Claus Bernet, Klaus-Peter Hertzsch: Martin Luther in seiner Zeit – und das Himmlische Jerusalem, Norderstedt 2016 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 40).

 

tags: Flämisch, Maria Immaculata, Brevier, Biblioteca Nazionale Marciana, Porta Coeli, Civitas Dei
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