Josef Henger (1931-2020): Krankenhaus-Kapelle St. Vinzentius, Landau (1982)

Josef Henger (1931-2020) hat im Laufe seines künstlerischen Schaffens auf Tabernakeln immer wieder das Neue Jerusalem dargestellt, allein in Bad-Württemberg in St. Maria in Böblingen (1964), in der Dreifaltigkeitskirche in Ravensburg (1967) und in St. Bartholomäus in Rielasingen (1992). Eine Besonderheit ist sein Tabernakel aus Bronze in Landau/Pfalz, denn dieser befindet sich nicht in einer Kirche, sondern in der ökumenischen Kapelle des St. Vinzentius-Krankenhauses der Stadt. Der Tabernakel mit Stele konnte nach langer Vorarbeit 1992 fertiggestellt werden. Das Kunstwerk wurde detailreich ausgestaltet: Der Mittelteil birgt einen vergoldeten Kasten mit den Hostien, der von einem Bronzekubus umschlossen ist. Dort sind auf den vier Schauseiten Personen dargestellt, die in das Himmlische Jerusalem kommen: Könige, Papst und Bischöfe, aber auch „normale“ Menschen wie Väter und Mütter, Lahme und Blinde, was auf mittelalterlichen Darstellungen mit seiner Fixierung auf Hierarchie und auf die Oberschicht unmöglich gewesen wäre. Dazwischen sind von Henger immer wieder Engelsköpfe quasi als Gitter in den Tabernakel eingebaut. Im oberen Bereich stehen Durchbrüche für die offenen Tore der Stadt. Es sind schwungvolle Formen, eine Tendenz zum Verspielten und gleichzeitig Bemühungen, aus den einzelnen Teilen ein harmonisches Ganzes zu schaffen, was hier Henger als „letzten barocken Bildhauer Oberschwabens“ bestätigt.

Rupert Leser (Bearb.): Josef Henger: Plastiken in Stein, Bronze, Aluminium, Bad Waldsee (1981).
Philipp Weindel: Die Kapelle des Vinzentius-Krankenhauses, Landau 1987.
Claus Bernet: Der Tabernakel und das Neue Jerusalem, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 34).

 

tags: Josef Henger, Tabernakel, Neobarock, Kapelle, Krankenhaus, Bronze
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