Fresko aus Bollerup (1476)

Dieses Himmlische Jerusalem, datiert auf das Jahr 1476, präsentiert sich als Tabernakel-Kirchlein, hier auf einem gemauerten schwarzen Fundament mit deutlich zu erkennendem Bossewerk. Zwischen dieses Fundament zieht sich etwa auf Höhe des ersten Drittels eine Reihe von Kreisen von links nach rechts und unterbricht die Quaderung: Dies sind die in der Johannisoffenbarung beschriebenen Perlen, auf denen die Stadt steht.
Eine Besonderheit dieser Malerei ist die schöne illusionistische Blumenblüte neben dem Kirchendach links, die allein dem Schmuck dient. Sie besteht aus genau den beiden Farbtönen, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts Mode waren: Türkis und Violett. Selbst die eigentliche Pforte ist in einem Türkis-Farbton gehalten, wobei unklar ist, ob dies die Türfüllung darstellt oder ein bläuliches Licht einer offenen Pforte.
Erwähnenswert, weil singulär, ist auch die offene realistische Fensterklappe im Mittelteil des Gebäudes, hinter der ein paar Menschen vergnügt nach außen sehen, während ein zweites Fenster noch geschlossen ist und man das Rautenmuster der Butzenscheibung sehen kann.
Die Schar der weiteren Gläubigen rechts vor dem Eingangstor und einem Holzgitter ging im Laufe der Jahre fast vollständig verloren. Das Fresko ist Teil der Malereien des Gewölbes der protestantischen Dorfkirche von Bollerup in der südschwedischen Provinz Skåne. 

Gustaf Åberg: St Petri kyrka i Bollerup, Glemmingebro 1988.
Susanne Wenningsted-Torgard: Sankt Kristoffer i Bollerup kirke, in: Iconographisk post, 1, 1990, S. 1-11.
Claus Bernet: Wandmalereien, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 17).

 

Beitragsbild:  Hideko Bondesen – http://www.nordenskirker.dk/, Nordenskirker Bollerup(49), CC BY-SA 2.5

tags: Fresko, Spätmittelalter, Tabernakel, Fenster, Blume, Perlen, Türkis
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