Ambrosius Gander: Fresko aus St. Jakob in Kastelaz (um 1390)

Diese Wandmalerei stammt von dem Österreicher Ambrosius Gander, einem Schüler des Johannes von Bruneck. Für das 14. Jahrhundert ist es eine erfreuliche Ausnahme, dass zumindest der Name des Künstlers überliefert ist. Seine Beteiligung in Kastelanz dürfte eine seiner frühesten Arbeiten sein, später hatte er in Meran eine Malwerkstatt.
Die Nordwand der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Jakob in Kastelaz (Tramin in Südtirol) zeigt eine Mariendarstellung. In einem der Zwickel links findet man eine einfache hölzerne Himmelstür. Diese wird von einer Person, vermutlich einem Engel oder einem Bewohner der Himmelsstadt, die ja ein weißes Gewand tragen sollen, gerade geöffnet oder geschlossen. Unverkennbar ist der feine lombardische Einfluss dieses Meisterwerks der Hochgotik zu erkennen, etwa bei den Gesichtszügen oder den Haaren der Figur. Die Pforte ist lediglich durch ein rotes Farbband betont, welches sich am Türrahmen entlang zieht. Mit den zwei Rosetten im Flamboyant-Stil und den Zinnen finden sich auch noch Merkmale der Gotik. Auf den Zinnen sind übrigens lateinische Begriffe aufgeschrieben, die Charaktereingenschaften der Gottesstadt zum Ausdruck bringen, wie Frieden oder Glückseligkeit.

Wolfgang Metzger: Die Apsisfresken von St. Jakob in Kastelaz, in: Der Schlern, 44, 1970, S. 200-222.
Nicolò Rasmo: Johannes von Bruneck und Ambrosius Gander, in: Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege – W. Frodl zum 65. Geburtstag, Wien 1975, S. 182-189.
Verena Friedrich: Tramin: St. Jakob in Kastelaz, Passau 2010.
Torszenen, Himmelspforten, Porta Coeli, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 11).

 

tags: Südtirol, Fresko, Italien, Spätgotik, Flamboyant, Zinnen, Pforte, Mittelalter, Trecento
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