Himmelspforte und Gottesstadt aus der Marienkapelle Stans (1647)

Die 1647 geweihte Marienkapelle ist eine Unterkirche an der nordöstlichen linken Seite von St. Peter und Paul, der römisch-katholischen Kirche von Stans im Kanton Nidwalden. Man nannte sie früher umgangssprachlich auch „unter dem Herd“ oder „Muttergotteskapelle“. Diese Kapelle hat die Form des Buchstabens „L“. Ihr Vorraum, in dem sich die Gemeinde versammelt, ist mit biblischen Malereien überzogen. Er endet gegen Osten am letzten Joch, wo ein gewaltiges schmiedeeisernes Gitter den Raum trennt.

Der Altarbereich mit der Marienstatue knickt nach rechts ab, wo sich weitere Räume und ein Aufgang in die Hauptkirche anschließen. In diesem Bereich wurden 1647, passend zur Schutzpatronin der Kapelle, emblematische Malereien und Gewölbestuckaturen angebracht, die vom Gemeinderaum aus für die Besucher nicht sichtbar sind.

Die Wände und Medaillons der Decken sind in matten Erdfarben gehalten, von denen sich leuchtend der strahlend weiße Stuck abhebt. Wie im 17. Jahrhundert fast unerlässlich, sind alle Mariensmybole Lateinisch beschriftet, was die Zuordnung mancher verblassten und wenig kontrastreichen Symbole erleichtert.
Der oder die entwerfenden und ausführenden Künstler sind namentlich nicht bekannt. Man vermutet für die Stuckaturen einen Meister aus Lugano und für die Malereien einen professionellen Dekorateur aus Italien. Unter den immerhin 29 marianischen Symbolen wird u.a. auf der Decke die „Porta Celi“ präsentiert (drittes Joch, erstes Medaillon).

Genaugenommen steht dort „Porta et Clavis Celi“, also „Die Pforte und der Himmelsschlüssel“. Diese Kombination der beiden Symbole liegt thematisch zwar nahe, ist aber, soweit mir bekannt, kaum einmal aufgegriffen worden. Lediglich von Weltgerichten her kennt man Petrus, der mit einem Schlüssel die Himmelspforte öffnet. Hier hingegen hält ein kleiner Putto mit der einen Hand einen Schlüssel, mit der anderen das zitierte lateinische Schriftband. Darüber sieht man eine kunstvoll verzierte Renaissancepforte. Sie ist zum Betrachter leicht quer gestellt und scheint offen zu stehen, vielleicht hat der Putto sie geöffnet? Die Pforte wird oben übrigens zum Teil von einem weiteren Putto verdeckt, der aus Stuck gestaltet ist.

Auf der Wandfläche über dem angrenzenden nördlichen Seitenbogen ist die wesentlich schlechter erhaltene „Civitas Dei“ als begrünte Stadtlandschaft zu finden. Aus dieser Landschaft führen mehrere Wege zu den Stadttoren. Links und rechts von zwei rahmenden Türmen und zweier naturalistischer Bäume haben sich vor allem die Umrisszeichnungen erhalten. So hat die Civitas Dei eine Stadtmauer mit Zinnenbekrönung, hinter der große Kuppelbauten gesetzt sind, zwischen denen sich schmale Türme nach oben ziehen.

Robert Durrer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, Zürich 1899.
Regula Odermatt-Bürgi: Pfarrkirche St. Peter und Paul in Stans, Bern 1989.
Dieter Bitterli: ‚Tota pulchra es amica mea’. Marianische Embleme in Luzern, Stans und Hospental, in: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins der fünf Orte, 146, 1993, S. 115-150.
Claus Bernet: Neues Jerusalem in Österreich, der Schweiz und der Alpenregion. Ein Kunstreiseführer, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 18).

 

tags: Civita Dei, Porta Coeli, Maria Immaculata, Fresko, Schweiz, Kanton Nidwalden
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