Clemens Schmidt, Heinz Hindorf (1909-1990): Fenster aus St. Kilian in Wiesbaden (1970)

Auch die stark kriegszerstörte römisch-katholische Kirche St. Kilian in Mainz-Kostheim, heute ein Stadtteil mit verarbeitendem Gewerbe, Logistik und Industrie am Rand von Wiesbaden, wurde 1970 mit neuen Buntglasfenstern ausgestattet. Die Kirche steht in einem einfachen, von Arbeitern und Zuwanderern geprägten Viertel, mit einer einst fast homogenen römisch-katholischen Bevölkerung. Für die Verschönerung des leidgeprüften Bauwerkes wurde ein Künstler Walter Clemens Schmidt (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Künstler aus Frankfurt) beauftragt, der hier mit Heinz Hindorf (1909-1990) zusammen arbeitete.

Dieser hatte das Thema des Himmlischen Jerusalem bereits unmittelbar zuvor in St. Stephan in Mainz-Gonsenheim, der Fensterrose im Dom zu Worms und in der Kirche von Kocherbach (alle 1967) behandelt hatte – diese katholischen Kirchen, wie auch St. Kilian, gehören alle zum Bistum Mainz, wo das Paar Schmidt/Hindorf offensichtlich einen sehr guten Namen hatte. Allerdings ist von dem Wiesbadener Schmidt weitaus weniger bekannt, vornehmlich ein Leuchter sowie ein hölzernes Altarbild aus der katholischen Kirche von Wiesbaden-Dotzheim werden ihm zugewiesen – beide habe ich 2026 vor Ort angesehen, um mich von der Authentizität der Urheberschaft des Künstlers zu vergewissern. Offensichtlich ist es so, dass noch lange nicht alle Werke dieses Künstlers verzeichnet sind und man noch Entdeckungen machen kann.
Hergestellt wurde das Fenster, um das es hier geht, übrigens weder von Schmidt noch von Hindorf, sondern von der Firma „Fritz Selbach Glasmalerei“, die in Köln ansässig war.

Man findet das Fenster nicht im Apsisbereich, sondern unmittelbar davor an der rechten Seite des Kirchenschiffs. Umzogen von einem vor- und zurückspringenden roten Band steht unten eine Gruppe mehrerer Pilger in zum Teil zeitgenössischer Bekleidung vor der Stadt, deren Bauten weiter nach oben führen. Die Bauten sind weiß oder gelb, der Hintergrund blau. Die Stadt ist keineswegs quadratisch, sondern ohne klare Form und nur durch das rote Band nach außen hin abgegrenzt. Die Bauten sind Architekturfragmente, hier ein Haus, da ein Dach, eine Arkade, darüber ein Turm usw. Von der eigentlichen Stadt abgesetzt ist das Lamm in einem abschließenden Tondo ganz oben, wo mehrere Engel das Opferlamm umringen. In den Farben und der Auswahl der Motive ist es einem Fenster ähnlich, das Schmidt gut zehn Jahre zuvor für Frankfurt-Höchst entworfen hatte.
Nicht Brandenburg, sondern tatsächlich Wiesbaden:

Daniel Debert (Hrsg.): 50 Jahre Sankt Kilian-Pfarrkirche, Wiesbaden 1987.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 2, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 16).
Markus Frank Hollinghaus: 100 Jahre Katholische Kirche in Dotzheim (nach der Reformation), Wiesbaden 2002.
Die Kirche St. Kilian zu Mainz-Kostheim, Faltblatt, o. O., um 2020.



