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Hermann Pohl (1917-1998): Leuchter der Evangelischen Kirche in Dissen (1987)

Entworfen und angefertigt wurde dieser Jerusalemsleuchter von dem Künstler Hermann Pohl sen., der nach 1945 in Kassel wohnte und dort als Bildhauer arbeitete. Nach seinem Tod im Jahr 1998 führte sein Sohn Friedrich Pohl seine Werkstatt weiter. In einem Festgottesdienst zum Erntedank am 6. Oktober 1987 wurde von dem Künstler ein Jerusalemsleuchter an die evangelische Gemeinde von Dissen (südlich von Kassel) übergeben, wo das Kunstwerk seitdem über dem Altar der schlichten Kirche seinen Platz gefunden hat.

Mit vier Stahlseilen ist es an der Decke befestigt. Hermann Pohl hat auch andere Sakralgegenstände für diese Kirche geschaffen. Er wurde 1917 in Osterode/Ostpreußen geboren und besuchte als Heimatvertriebener von 1946 bis 1950 die Werkkunstschule in Kassel. Dazwischen, 1948, machte er sich mit einem Bildhaueratelier in Kassel-Kirchditmold selbstständig. Von 1982 bis 1998 führte er zusammen mit Friedrich Pohl eine Ateliergemeinschaft; in dieser Schaffensperiode entstand der Leuchter als Gemeinschaftsarbeit 1987, zusammen mit dem Kruzifix (1989) auf dem Altar und den beiden Kerzenleuchtern der Kirche in Dissen. Die Idee ist, dass man beim Betreten der Kirche erst das Kreuz und, und anschließend oben das Himmlische Jerusalem wahrnehmen soll.

Auf dem Bronzeleuchter sind an jeder Seite drei hohe, offene Rundbogentore zu sehen. So ist es möglich, in das Innere des Leuchters zu blicken. Auf den Toren sind jeweils apokalyptische Engel mit weit ausgreifenden Flügeln positioniert, die dem Werk etwas Schwung und Bewegung verleihen. Einer der Engel hält einen Schlüssel, andere jeweils einen Messstab, eine Trompete, eine Sichel, ein Seil oder Schriftrollen. Die Tore sind seitlich durch Mauerpartien miteinander verbunden. Auf den einzelnen Mauersegmenten ist oben jeweils eine Perle gesetzt, unten Edelsteine als Fundament der Stadt. Auf diesen Mauerpartien sind oben und unten vierundzwanzig Glühbirnen zur Beleuchtung angebracht. Leider reicht deren Leuchtkraft nicht für den Raum aus, so dass weiterhin auf ästhetisch fragwürdige Kugellampen zurückgegriffen werden muss.

 Hermann Pohl: Wort und Gestaltung. Bildwerke in Kurhessen-Waldeck, Kassel 1997.
Claus Bernet: Jerusalems-Leuchter, Jerusalems-Kerzen und Adventskränze, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 25).

 

tags: Bronze, Jerusalemsleuchter, Engel, Niedersachsen
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