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Petrus Canisius (1521-1597): De Maria Virgine Incomparabili (1576)

Petrus Canisius (1521-1597) war der erste deutsche Jesuit und Begründer der katholischen Katechismen, ein Handbuch von Unterweisung in den Grundfragen des christlichen Glaubens nach Sicht der römisch-katholischen Kirche. Er war auch ein inniger Marienverehrer und Mitbegründer der Marienfrömmigkeit, denn er hatte schon 1558 die Lauretanische Litanei nördlich der Alpen bekannt gemacht. Wichtig ist vor allem sein vielseitiges Werk „De Maria Virgine Incomparabili“, welches im katholischen Ingolstadt 1577 bei dem Drucker David Sartorius erschienen ist. In dem Werk finden sich 13 hochwertige Holzschnitte, die von eines Meisters Hand stammen müssen, der allerdings namentlich (noch) nicht bekannt ist. Zwei identische Schnitte findet man auf den Seiten 291 (drittes Buch) und 589 (fünftes Buch). Es handelt sich um eine Marienlitanei, unterschrieben mit „tota pulchra es amica mea et macula non est in te“: „Gänzlich rein bist Du, meine Freundin, und etwas Unreines ist nicht an Dir“.
Ausgestattet ist Maria mit ihren gängigen Symbolen: auf der linken Seite eine Himmelspforte, hier in Form eines frühneuzeitlichen Stadttores, mit zwei Rundtürmen, deren einzelne Steine man gut erkennen kann. Das Mariensymbol, gleichzeitig ein Himmlisches-Jerusalem-Symbol, ist unterschrieben mit „Porta Coeli“, also Himmelspforte.

 

Auf der rechten Seite der Zeichnung ist die Civitas Dei, also die Gottesstadt. Wie schon bei der Himmelspforte ist vor der eigentlichen Abbildung auch der Weg dorthin angedeutet. Die Stiche können auf 1576 datiert werden, entstanden also ein Jahr vor Drucklegung und wurden vermutlich in enger Absprache mit Canisius entworfen. Sie wurden später von Tobias Stimmer herangezogen, als er an der gleichen Thematik arbeitete.

Nikolaus Paulus: Die Einführung der lauretanischen Litanei in Deutschland durch den seligen Canisius, in: Zeitschrift für katholische Theologie, 26, 1902, S. 574-583.
Dieter Bitterli: ‚Tota pulchra es amica mea’. Marianische Embleme in Luzern, Stans und Hospental, in: Der Geschichtsfreund, 146, 1993, S. 115-150. 

 

tags: Gegenreformation, Holzschnitt, Civitas Dei, Porta Coeli,
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