Stefan Lochner (um 1400-1451): Weltgerichtsaltar (um 1435)

Mit Stefan Lochner trat auch in Deutschland eine neue Darstellungsweise des Himmlischen Jerusalem als Teil von spätmittelalterlichen Weltgerichtsaltären auf. Lochner war der bedeutendste Maler wie Zeichner der Kölner Malschule und als ein Hauptvertreter des „Weichen Stils“ einer der ersten Rezipienten der neuen niederländischen Malweise.
Das „Jüngste Gericht“ (um 1435) ist eines seiner frühen Haupt- und gleichzeitig Meisterwerke. Der Zugang zum Himmlischen Jerusalem, ein Teil der linken Seite des Altars, ist ganz aus filigranem Maßwerk gearbeitet und sofort als gotisches Bauwerk zwischen Kirche und Stadttor zu erkennen. Der Blick durch die offene Himmelstür zeigt, dass dort selbst Päpste, Kardinäle, Bischöfe und Könige unter den Geretteten zu finden sind. Die Zahl der Geretteten ist Groß, sie werden von Engeln begleitet und geschützt, die auch im oberen Bereich des Bildes umherfliegen.
Durch die tiefgelegene Perspektive erscheint der weiße Bau, der an Marmor erinnert, majestätisch und feierlich. Der Blick wird auf den gewaltigen Wimperg mit dem filigranen Maßwerk gerichtet, unter dem sich eine erstaunlich einfache Tür ohne sichtbare Flügel befindet.
Der Altar der Gesamtgröße 172 x 124 cm befand sich ursprünglich wahrscheinlich in St. Laurenz in Köln und ist heute Teil der ständigen Ausstellung des dortigen Wallraff-Richartz-Museum (Fondation Corboud, Inv.-Nr. wrm 66). Das Kunstwerk ist hervorragend erforscht, es gibt eine umfassende kunsthistorische Fachliteratur.

Vor Stefan Lochner: Der Kölner Maler von 1300-1430. Ergebnisse der Ausstellung und des Colloquiums, Köln, 1974, Köln 1977.
Frank Günther Zehnder (Hrsg.): Stefan Lochner, Meister zu Köln. Herkunft – Werke – Wirkung, Köln 1993.
Julien Chapuis: Stefan Lochner. Image making in Fifteenth-Century Cologne, Turnhout 2004.

tags: Gotik, Weltgericht, Altargemälde, Köln, Wallraff-Richartz-Museum, Flamboyant
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