Jerusalems-Leuchter in der Marienkapelle des Magdeburger Doms (1887)

Der Magdeburger Dom besitzt in der Marienkapelle einen farbintensiven Radleuchter der Neogotik. Bekannt ist das Jahr der Anfertigung, nämlich 1887, aber unbekannt bleibt, welcher Künstler ihn damals in welcher Werkstatt hat erbauen lassen. Zu dieser Zeit entstanden in Deutschland Jerusalems-Radleuchter Radleuchter in Hildesheim (St. Godehard, 1864), Weißenburg (Saints-Pierre et Paul, 1887), Reepsholt (St. Mauritius, 1889), Bromberg (Christuskirche, 1897) und in der Kirche Ludwigsthal (1896-1901). Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Bernburger Leuchter mit einem dieser Werke in Beziehung stand. Andererseits wird die Zahl der gegen Ende des 19. Jahrhunderts angefertigten Jerusalems-Radleuchter noch größer gewesen sein, denn viele der Leuchter haben die zwei Weltkriege und vor allem den Hass gegen Schönheit der 1960er und 1970er Jahre nicht überlebt.
Viele Jahre hing der Leuchter in der evangelischen Martinskirche in Bernburg (Saale). Nach der Friedlichen Revolution 1989 wurde er nicht mehr benötigt, abgebaut und sogar zersägt. Schließlich konnten die Reste an den Dom nach Magdeburg verkauft werden, welcher ja auch kirchenrechtlich für Bernburg zuständig war. In Magdeburg wurde der Leuchter intensiv erforscht und 2009 fachgerecht restauriert. Die Kosten waren hoch, doch für jedes der zwölf Türmchen des Leuchters wurde jeweils ein Pate gefunden, die die Restaurierung hauptsächlich finanzierten. Gleichzeitig war dies der Anlass für den Dom, sich intensiver mit Jerusalems-Leuchtern zu beschäftigen und mittelfristig auch im Mittelschiff des Domes einen Radleuchter anfertigen zu lassen.

Seinen neuen Ort hat der Bernburger Leuchter in der Marienkapelle des Magdeburger Doms gefunden, wo seine rote Farbe einen reizvollen Kontrast zu den graugelben gotischen Deckengewölbe erzeugt. Die Kapelle ist nicht öffentlich zugänglich, wird aber oft zu Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten genutzt.

              Jerusalemsleuchter (1887)

Der Durchmesser des Magdeburger Jerusalems-Radleuchter beträgt 2,80 Meter. In regelmäßigen Abständen sind runde wie rechteckige Türme auf den äußeren Reif gesetzt, insgesamt zwölf an der Zahl. In diesen Türmen befanden sich früher Kerzen. Die heutige elektrische Beleuchtung ist in einen zweiten, inneren Reif gelegt – auch hier sind es wieder zwölf Lichter, die den Leuchter bzw. den Raum zum Strahlen bringen.

Claus Bernet: Jerusalems-Leuchter, Jerusalems-Kerzen und Adventskränze, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 25).

tags: Dom, Magdeburg, Radleuchter, Historismus, Sachsen-Anhalt, Neogotik
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