Santa Maria d’Arties ist eine im Kern romanische Kirche, die sich in Arties (Katalonien) befindet. Die römisch-katholische Kirche ist ein Monument nationalen Interesses von ganz Spanien und in eine dementsprechende Liste schützenswerter Kulturgüter aufgenommen worden, nicht zuletzt wegen ihrer beeindruckenden Wandmalereien. Deren Position ist ungewöhnlich, einmalig: Über den Altarabschluss zieht sich ein Tonnengewölbe.

Im Scheitelpunkt erscheint Christus in einem runden Wolkenkranz. Direkt darunter befindet sich ein rundes Fenster, welches diese Darstellung beleuchtet. Auf den Seiten sind links das Neue Jerusalem und rechts die Verdammnis dargestellt, allerdings in geänderter Position: Während Christus nach vorne, zur Gemeinde hin ausgerichtet ist, sind die Seitendarstellungen um 45 Grad gedreht und können am besten von den Seitenschiffen aus gesehen werden. Auch hier finden sich (kleinere) Rundfenster, die diesen Seitenbereich sichtbar machen.
Das Fresko aus der Zeit um 1598 zählt zu den bedeutendsten im ganzen Pyrenäenraum. Es hat sich bis heute in exzellentem Zustand erhalten. Mit seiner lateinischen Beschriftung und dem überregionalen Architekturstil könnte sich das Wandfresko ebenso in Zentraleuropa befinden, ähnliche Bautypen des Neuen Jerusalem findet man genauso gut in Scholen, Marklohe oder Vra.

Auf der Stadt ist oben erneut Christus Pantokrator mit einem Weltherrschaftssymbol (Reichsapfel mit Kreuz) in einem Strahlennimbus auf dem höchsten Turm positioniert. Auf zwei tiefer gelegenen, symmetrischen Türmen musizieren vier Engel, dazwischen wehen drei Fahnen mit dem Georgskreuz. Noch weiter tiefer kann man durch die Fenster und die Haupttür Gruppen von Geretteten sehen. Auch rechts sind vereinzelt Gerettete dargestellt, die gerade aus den Gräbern erwachen, darunter auch Adam und Eva (stehend nackt, vor der Petrusfigur). Einige der Geretteten erreichen die offene Tür der Architekturagglomeration und können über eine Treppe eintreten. Die detaillierte Renaissance-Architektur ist auch an den zeitgenössischen Festungs- und Kirchenbau angelehnt, zum Beispiel an das Castell de Torroella de Montgrí oder das Castell de Mur. Einzelne Fundamentsteine kann man hier ebenso erkennen wie Fensterlaibungen und steinerne Schmuckelemente, die die Gotik bereits überwunden haben. Macht man sich die Mühe, die entlegene Kirche vor Ort zu besuchen, wird sofort klar, was die eigentliche Vorlage zu dieser Architekturdarstellung gewesen war: Die Kirche war einst eine Wehrkirche, von Mauern und Türmen umzogen. Von dieser Befestigung hat sich allein der Nordturm gegenüber dem Eingang erhalten. Dieser Turm vor der Kirche besitzt eine ähnliche Oberflächenstruktur, gleiche rechteckige Fensteröffnungen und einen Zinnenabschluss wie das spätere Neue Jerusalem in der Kirche.
Albert Sierra i Reguera: La pintura mural a la Vall d’Aran en temps del Renaixement. Les primeres pintures de Santa Maria d’Arties, in: Rosa Alcoy, Pere Beseran (Hrsg.): Art i devoció a l’Edat Mitjana, Barcelona 2011, S. 161-175.
Claus Bernet: Wandmalereien, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 17).



