Die römisch-katholische Kirche mit dem Namen Saint Michel in Montaner, einer kleinen Gemeinde im Département Pyrénées-Atlantiques, ist ein imposantes Bauwerk. Ihr einstiger Wohlstand resultiert aus den Beziehungen zur nahegelegenen Burganlage und den hier Station machenden Pilgern auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Schon von weitem sieht man den typischen Pyrenäen-Glockenturm, von dem hier allerdings eine Glocke verloren gegangen ist. Auch ansonsten ist das Bauwerk in einem schlechten Zustand; es wurde daher 2026/27 saniert. Eigentlich ist es für die kaum mehr vorhandenen Katholiken am Ort viel zu groß und nur an ganz wenigen Tagen im Jahr für Feierlichkeiten oder Messen kurz geöffnet.

Im Inneren sind die Wände mit Fresken aus dem frühen 16. Jahrhundert ausgemalt. Weder über die genaueren Entstehungshintergründe noch über die ausführenden Künstler sind wir näher informiert. Ein strenger Winter im Jahr 1956 ließ den damaligen Putz in der Kirche aufbrechen, so dass die Wandmalereien wieder zum Vorschein kamen. Seitdem sind mehrfach Restaurierungsarbeiten durchgeführt worden, darunter auch solche des Fachbetriebs Ateliers Genovesio aus Paris.
Unter den vielfältigen Themen befindet sich an der Nordwand auch eine Darstellung der Maria Immaculata einschließlich ihrer Symbole nach der Lauretanischen Litanei. Die Gottesmutter ist hier von zwei Bäumen gerahmt, einer Zeder und einem Olivenbaum, womit auch der Paradiesgarten und der Lebens- bzw. Erkenntnisbaum anklingen.

Die Civitas Dei, die Gottesstadt, also das Himmlische Jerusalem, befindet sich links unten, mit sechs unterschiedlichen Türmen. Auch auf der gegenüberliegenden Seite haben sich Architekturfragmente erhalten, darunter offenbar ein ockerfarbener oktogonaler Bau. Somit könnte es sein, dass sich die Civitas Dei am gesamten unteren Bildrand entlangzog. Da sich die lateinische Beschriftung in den Schriftbändern nicht vollständig lesbar erhalten hat, ist eine endgültige Zuweisung schwierig. Auch waren alle Symbole einst farbig gefüllt. Erhalten hat sich in den meisten Fällen jedoch nur die Umrisszeichnung.
Weiter oben, ebenfalls auf der linken Seite, befindet sich noch eine Himmelspforte als zweitürmige Toranlage, direkt neben der Marienfigur. Die Pforte ist symmetrisch aufgebaut und scheint offen zu stehen.
Die Symbole Mariens sind also sehr schnell anders angelegt worden als in der Vorlage von Thielman Kerver. So ist Gottvater nicht mehr direkt über Maria zu finden, sondern an die linke Seite gerutscht. Solche Variationen verwundern, wenn man davon ausgeht, dass die Handwerker vermutlich die Pariser Ausgabe kannten und sie als Vorlage mit sich führten.
Jean Lauffray: Montaner, notes sur les peintures murales de l’église Saint-Michel, in: Bulletin de la Société des sciences, lettres et arts de Pau, 1957, S. 69-71.
Gérard Coze: Montaner. L’église Saint-Michel, Pau 1984.
Claus Bernet: Die Frühe Neuzeit. Eine Hoch-Zeit der Jerusalemskultur, Norderstedt 2016 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 5,2).



