Max van der Linden (1922-1999): Kreuzwegstation Nummer zwölf in der Wallfahrtsanlage von Beauraing (1965)
Der belgische Keramikkünstler Max (Maximilian) van der Linden (1922-1999) hat das Sujet Himmlisches Jerusalem in seinem Schaffen mehrfach aufgegriffen. Das erste Mal vermutlich 1965 bei einem Werk aus glasiertem Ton innerhalb der Wallfahrtsanlage in Beauraing (Provinz Namur). Es ist eine der größten Wallfahrtsstätten in Mitteleuropa, mit einem modernen Kirchenbau auf einer Anhöhe neben der älteren Krypta, die für den Besucherandrang an manchen Festtagen zu klein wurde. Der Neubau der Oberkirche Basilique Notre-Dame au Cœur d’Or bietet Raum für 3.000 Personen.

Der Neubau nahm bereits außen mit seiner horizontalen Verschalung das zentrale Schmuckelement im Inneren vorweg. Sein Schmuckelement ist ein Kreuzweg in Form von fast zwei Meter langen, schmalen Keramikbändern, die sich an den Wandseiten entlang ziehen.

Auf dem grauen Naturstein, der wiederum die gleiche Färbung wie der Beton der Fassade hat, sind sie der zentrale Schmuck dieser Kirche. Durch ihre dunkelrote Färbung fallen sie sogleich ins Auge.
Die zwölfte vorletzte von insgesamt vierzehn Stationen lautet „Jezus sterft aan het kruis“ („Jesus stirbt am Kreuz“) und befindet sich in der Mitte der Längsseite gegenüber der Fensterfront. Sie besteht aus fünf Tontafeln, denen glasierte, farbige Keramikmotive aufgesetzt sind.

Jerusalem wird hier gleich zwei Mal thematisiert. Zunächst erscheint die Stadt in Form weißer Keramiken hinter drei am Kreuz hängenden Figuren. Die Seele einer dieser Figuren, des Schächers, wird von einem Engel direkt in das angrenzende Himmlische Jerusalem transportiert, denn ihm wurde verhießen: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukasevangelium Kap. 23, Vers 43). Die Stadt schwebt in einer goldenen Gloriole, die von einem Zackenkranz umrundet ist, aus der immer wieder einzelne Zacken herausragen. Rechts hält ein weiterer Engel die Stadt in der Schwebe, die aus drei Türmen, etwas weißen Mauern und türkisfarbenen Fenstern und einer großen Pforte besteht.
Arthur Monin: Notre-Dame de Beauraing. Origine et développement du culte, Beauraing 1962.
Max van der Linden: Céramiques, (Bruxelles) 1969.
Max van der Linden, Alleur (1991).



