Heinz Heiber (1928-2003): Altarkreuz aus der evangelischen Kirche von Aschbach (1964)

Viele Jahre war stand das 35 Zentimeter hohe Altarkreuz der evangelischen Kirche St. Laurentius von Aschbach bei Schlüsselfeld (Unterfranken) mit der figürlichen Seite nach vorne, so dass man Christus als Weltenrichter auf dem Regenbogen sehen konnte.

Nur wenigen war bekannt, dass sich auf der Rückseite ein Himmlisches Jerusalem befand. Auf der Stele mit dem bronzenen Kreuz sind dort im Umkreis zwölf Tore der Stadt eingearbeitet. Sie erscheinen frei auf der Oberfläche und wurden nicht durch Stadtmauern, Häuser oder ähnliches miteinander verbunden. Fünf Tore sind konkav gestaltet, bei denen der Rahmen den Eindruck einer offenen Pforte erzeugt, die übrigen sieben Tore bilden eine konvexe Wölbung und wirken geschlossen.

Da Christus bereits auf der gegenüberliegenden Seite zu sehen ist, wurde die Mitte hier freigehalten.
Lange war nicht wirklich bekannt, wer diese Arbeit aus dem Jahr 1964 hergestellt hat. Man dachte, es würde sich um ein Werk des Spenglermeisters Franz Kammerer handeln, der seine Werkstatt in Schlüsselfeld hatte. Aber es gab erste Zweifel: Kammerer, der sich auch als „Waffenschmied des Papstes” einen Namen machte, arbeitete überwiegend für römisch-katholische Kirchen. Zudem setzte seine Herstellung liturgischer Gegenstände erst zehn Jahre später ein und war auch nie das Hauttätigkeitsfeld dieses Künstlers. Schließlich konnte Dank der Signatur des Altarkreuzes rechts unten einwandfrei nachgewiesen werden, dass es sich um ein Werk von Heinz Heiber (1928-2003) handelt.

Der Künstler aus Breslau hatte nach 1945 eine Lehre zum Steinmetz gemacht, dann in München von 1948 bis 1952 an der Akademie der Bildenden Künste studiert und anschließend in Nürnberg eine Werkstatt eröffnet. Zahlreiche Kunstwerke aus Metall, Stein und Holz lassen sich im fränkischen Raum finden, das Himmlische Jerusalem war darunter sein bevorzugtes Motiv.
Bei meinem Besuch unter Anwesenheit von Pastorin Sabine Strelov und dem Referenten für Kirchenführungen Franz Ott wurde das Kunstwerk eingehend begutachtet und vielleicht erstmals so richtig wahrgenommen. Man stellte fest, dass es stimmiger aussieht, wenn vom Kirchenschiff aus die Seite mit den zwölf Toren zu sehen ist; zuvor hatte man sich daran gestört, dass sowohl der Schnitzaltar als auch das Altarkreuz Figuren zeigt und eine gewisse Unruhe entsteht. Seit diesem Tag hat das Kreuz also eine veränderte Position am Altar gefunden.

Heinz Heiber: Werkberichte, München 1977.
Dagmar Thormann: Künstlerische und liturgische Ausstattung Aschbach, St. Laurentius, Dekanatsbezirk Bamberg. Erfassung des kirchlichen Kunstgutes im Auftrag des Evang.-Luth. Landeskirchenamtes (München) 2021.
Gerd Schaller: St. Laurentius in Aschbach, in: Margit Fuchs Schaller (Hrsg.): Der Vergangenheit auf der Spur. Im Auftrag des Landkreises Bamberg, Bamberg 2024 S. 54-55.

 

tags: Altarkreuz, Bronze, Unterfranken
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