Heinz Heiber (1928-2003): Altarretabel aus der Königsberger Marienkirche (1960)

Sakrale Werke des Bildhauers Heinz Heiber (1928-2003) findet man nach seinem Umzug nach Nürnberg vermehrt in fränkischen Kirche. Mit klobigen, reduzierten Formen orientiere er sich, ähnlich wie zur gleichen Zeit auch Matthäus Bayer, an der Romanik, womit seine Werke besonders für historische Kirchen geeignet waren. Was das Neue Jerusalem angeht, ist das Altarretabel für die Marienkirche in Königsberg in Bayern (Unterfranken; nicht zu verwechseln mit der Marienkirche in Königsberg/Neumark, Chojna) sein vielleicht wichtigster Beitrag.

Die dreiflügelige Anlage auf zwei Metallstelen dominiert den historischen Chorraum der spätgotischen Kirche. Aus der Ferne könnte man denken, die drei Blöcke seien aus Sandstein gehauen, erst aus der Nähe kann man die lasierte Holzstruktur erkennen. Lediglich an wenigen hervorgehobenen Punkten (etwa dem Abendmahlkelch, den Wundmale Christi oder einigen Torblöcken des Himmlischen Jerusalem) wurde das Holz mit mattem Blattgold überzogen. Je nach Lichteinfall blitzt das Gold deutlich hervor oder ist so gut wie gar nicht zu sehen.

Auf drei Tafeln wird die Geschichte Jesu mit den wichtigsten Stationen erzählt: Geburt in Bethlehem und Taufe im Jordan (links), Kreuzigung in Jerusalem (Mitte) sowie Auferstehung aus dem Grab und Herrschaft im Himmlischen Jerusalem (links). Diese linke Tafel ist zweigeteilt: Links erscheint Christus mit der Siegesfahne aus dem Grab, rechts erscheint er nochmals in Gestalt des Lammes von den Stadttoren Jerusalems umgeben. Zwölf Blöcke in unterschiedlicher Größe umziehen das Lamm, jedoch nicht vollständig, sondern lassen rechts etwas Raum frei. Jedem Block ist unten ein Tor eingesetzt, insgesamt zwölf, von denen fünf vergoldet sind. Alle diese Gegenstände sind glatt geschliffen, während der Untergrund grob geschnitzt wurde, dadurch verschattet und dunkler erscheint.
Auf der Rückseite kann man zum Vergleich das hellere, unbehandelte Holz vorfinden; dort ist rechts unten das Kunstwerk auch signiert. Es handelt sind, in bewusster Anlehnung an die Künstler der Reformationszeit, um die Initiale „H“, die um 90 Grad gedreht in ein lateinisches Kreuz geschoben wurde.

Else Heiss-Heerdegen: Die Marienkirche zu Königsberg, einst ‚Blume von Franken‘ genannt, in: Fränkischer Heimatkalender, 1969, S. 123-125.
Heinz Heiber: Werkberichte, München 1977.

 

tags: Neoromanik, Altarretabel, Unterfranken, Schnitzaltar
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