Günter Lang (geb. 1941): Jerusalemstele auf dem Friedhof von Wolfsegg (1989)
Günter Lang, geboren 1941 in Eichstätt, führte dort viele Jahre ein Atelier für Steinmetzarbeiten, in dem bis 2008 auch Werke in Bronze, Glas und Holz entstanden sind. Schwerpunkt war zunächst die christliche Sepukralkunst; der Homepage des Künstlers ist zu entnehmen: „Intensive Auseinandersetzungen mit der Theologie haben ihn zu einem einmaligen Symbolisten gemacht, der mit seinen unikaten Grabzeichen über die Grenzen Bayerns bekannt wurde und damit seinen Wirkungskreis auf ganz Deutschland erweiterte und auch viele Nachahmer fand“. In den späten Jahren zeichneten sich seine Arbeiten durch eine klare Formensprache und Reduktion auf das Wesentliche aus, zunehmend entstanden jetzt auch profane Werke wie Brunnen, Denkmäler oder sogar Möbelstücke (Sitzbank). Die sakralen Arbeiten der 1970er und 1980er Jahre zeichnen sich durch theologische Konzeption und virtuose Beherrschung der religiösen Ikonographie aus, während die handwerkliche Durchführung sich an traditionelle Sehgewohnheiten anlehnte.
1989 entstand eine Skulptur für den Friedhof Wolfsegg in der Oberpfalz, der zur dortigen Kirche Christkönig gehört.

Es handelt sich um das Grab des Regensburger Priester und Liturgieforschers Klaus Gamber (1919-1989), der einige Jahre als Expositus in Wolfsegg tätig war. Gambler war jedoch nicht nur Expositus und Liturgieforscher, sondern auch ein Experte der Apokalyptik. Noch kurz vor seinem Tode veröffentlichte er sein Werk „Das Geheimnis der sieben Sterne: Zur Symbolik der Apokalypse“. Sein Grabmal, welches nach seinen Ideen gestaltet worden ist, besitzt eine 198 Zentimeter hohe Stele aus hellem Kalkstein, dessen verjüngender Sockel ein Kruzifix trägt, welches mit einem Nimbus zwischen den Armen die Kreisform betont.

Grundform ist das keltische Kreuz. Von dem Kruzifix führt mittig ein Seil nach unten: es ist eine in der Renaissance beliebte Darstellungsweise, wobei ansonsten meist die Hand Gottes die Stadt in der Schwebe hält, am bekanntesten sicherlich auf Epigrammen des Théodore de Bèze (1580, 1612). In dieser Kombination – oben Christus am Kreuz, unten oder neben Christus eine Stadt – ist meist das irdische, palästinensische Jerusalem gemeint. Hier jedoch ist das Neue Jerusalem aus der Johannesoffenbarung gemeint, denn diese Stadt hat zwölf Tore. Die meisten stehen offen, bei einem öffnet sich gerade eine Tür, eine andere zeigt Stufen, die weiter ins Innere der Stadt führen. Dort sind weitere Stufen, Treppen und viele Häuser zu finden, sogar eine Kirche und ein tempelartiger Bau. Auch der rote Text, der auf vier Feldern über die Stele hinweg verteilt ist, thematisiert Jerusalem als himmlischen Freudenort: „Die Losgekauften des Herrn kehren zurück, sie gelangen mit Jauchzen nach Zion“ sowie „Und ewige Freude bedeckt ihr Haupt, Jubel und Freude wird ihnen zuteil“ (Jesaja, Kap. 35, Vers 10).
Die Stele reiht sich ein in eine ganze Reihe von Jerusalemstelen, eine Moderscheinung um die Wende des letzten Jahrtausends. Es sind die im Zitat erwähnten Nachahmer, siehe dazu entsprechende Arbeiten von Hanns-Christian Luibl, Katrin Gräfrath oder Martin Thiebes. Bei dieser Arbeit aus Wolfsegg ist die Mitarbeit von Günter Lang verbürgt; seine Arbeit ist an der linken Seite im grob behauenen Stein signiert.

Bärbel Holländer: Gestaltung als Trauerhilfe. Steinbildhauermeister Günter Lang in Eichstätt, in: Der Naturstein, 55, 4, 2000, S. 44-49.
Margret Wanetschek: Jacet, tacet, placet. Der Eichstätter Steinbildhauer Günter Lang, in: Stein, 117, 11, 2001, S. 44-45.



