Susanne Praun: Bronze-Relief für eine Münchener Kirchenglocke (1958)
In der römisch-katholischen Gemeinde St. Johannes in Diesenbach, einem Gemeindeteil des Marktes Regenstauf in der Oberpfalz, haben sich zwei Reliefplatten erhalten. Heute hängen die beiden Platten im Pfarrbüro und werden zwischen anderen Kunstwerken leicht übersehen.

Eine hat den Titel „Königin des Friedens“, was sich auf Maria bezieht, die andere hat keinen Titel, zeigt aber die Friedensstadt Jerusalem. Von links nähert sich eine Gruppe von Menschen einem gewaltigen Torbauwerk. Zwei der Personen sind Frauen, eine trägt ein Kind. Die erste und fünfte Person sind als weltliche Herrscher gekennzeichnet (Krone und Reichsapfel). Die vordere Person hält eine Bibel, offensichtlich ein Heiliger.

Die Pforte vor ihnen steht offen. Es sind zwei mächtige Pfeiler aus Bossequadern, die immer wieder durch Fenster unterbrochen sind. Oben führt ein Abschluss mit Mauerkrone die beiden Pfeiler zusammen, auf denen sich zahlreiche Engel mit sieben Posaunen eingefunden haben. Ein weiterer Engel steht rechts der Pforte; mit mächtigen Flügeln ist er größer als die Pforte. Auf der gegenüber liegenden Seite erscheint das Lamm Gottes in einer Mandorla. Fast immer wird das Lamm seitlich gezeigt, hier aber einmal von vorne, was künstlerisch eine Herausforderung darstellt, die überzeugend gelöst wurde. Der Text darunter nimmt nochmals Bezug auf das Lamm: „Selig die ihre Gewänder im Blute des Lammes waschen. Sie sollen durch die Tore in die Stadt eingehen. JOH. XXII. 14“. Zu diesen Seligen zählen auch die drei Waisen aus dem Morgenland, die von einem Gestirn geführt werden. Mit diesen drei Waisen wird die Gruppe der Geretteten etwas erweitert, es sind biblische wie zeitgenössische Menschen gemeint.
Die ungewöhnliche Tafel (Höhe 38 Zentimeter, Breite 55 Zentimeter) ist ein Werk der Bildhauerin Susanne Praun aus dem Jahr 1958. Damit ist dieses Kunstwerk wesentlich älter als die Kirche St. Johannes aus dem Jahr 1979. Die Platte aus Bronze ist ein Entwurf für ein Mantelrelief einer Glocke für die Münchner Pfarrei „Königin des Friedens“, die jedoch nicht gegossen worden ist. Beide Tafeln sind nicht signiert. Möglicherweise handelt es sich bei der späteren Zuschreibung auf „Susanne Praun“ um einen Fehler, denn unter diesem Namen ist keine Künstlerin nachzuweisen. Die Platte jedoch zeugt von künstlerischem Können und handwerklich perfekter Ausführung, was kaum eine Unbekannte leisten konnte. Weitere Nachforschungen vor Ort und in München blieben bislang jedoch ohne Ergebnis. Immerhin scheint es, lange vor der Glocke für die Kirchengemeinde Heilig Geist in Bielefeld von 2004, dass hier erstmals das Motiv des Neuen Jerusalem in Verbindung mit einer Kirchenglocke gebracht wurde.
Einweihung des Seelsorgezentrums St. Johannes in Diesenbach. Pfarrei Regenstauf, 15. Juli 1979, Festschrift, Diesenbach 1979.
Hermann Reidel: Katholische Pfarrkirche St. Johannes, Diesenbach 2006.
Der etwas andere Kirchenführer zum 40-jähringen Jubiläum, Regenstauf 2019.



