Alois Plum (1935-2024): Verglasung von Herz-Jesu in Kassel-Niederzwehren (1984)
Alois Plum, ein Glaskünstler aus Mainz, hat zu Beginn der 1980er Jahre bis in 1990er Jahre eine Serie von ähnlichen Glasmalereien des Himmlischen Jerusalem geschaffen. Bei dieser wird die Stadt als rotgelber Lichtkreis dargestellt, mittels großer, ineinander greifender Bahnen. Diese Lichtkreise findet man in der Christuskirche in Neunkirchen (1984), in St. Philippus und Jakobus in Herdecke (1985), in reduzierter Form (ohne Perlen oder Lamm) in Harheim (1986) und letztmalig in St. Sebastian in Magdeburg (1992). Am Beginn dieser kleinen Serie steht die Verglasung von Herz-Jesu, einer römisch-katholischen Kirche in Niederzwehren, einem Ortsteil von Kassel. Diese Kirche in Form einer Pyramide oder eines Zelts hatte bereits seit ihrer Erbauung 1970 eine einfache Verglasung ohne Bildmotive oder Farblichkeit. Kurz nach Erbauung ermöglichte eine umfangreiche Spende die Vollverglasung der vier dreieckigen Fensterflächen (12 x 12 Meter). Beauftragt wurde damit Alois Johannes Plum (1935-2024), der hier über zehn Jahre, ab 1983, eine umfangreiche Bilderwelt zu biblischen Themen (Rettung Lots, Jakobs Traum, Blindenheilung u.v.a.), aber auch außerbiblischen Themen, meist aus dem Heiligenleben (Augustinus, Wigbert, Hildegard von Bingen u.v.a), geschaffen hat. Immer neue Details und Änderungen wurden gewünscht, hauptsächlich von dem damaligen Pfarrer Wolfgang Heil, der das Projekt maßgeblich vorantrieb, so dass die ursprüngliche Spende nicht die Kosten für einen führenden Glaskünstler wie Plum ausreichten. Hinzu kam, dass man mit der ausführenden Firma, Wilhelm Derix in Taunusstein, zwar eine der weltweit besten Glasmanufakturen beauftragt hatte, die jedoch ihren Preis hatte. Über Jahre musste in Kollekten für die Fertigstellung gesammelt werden, was auch zu Kritik führte, ob man sich mit so einem „hessischen Lichtdom“ oder einer solchen „ausufernde Bilderwelt“, so die damaligen Urteile, nicht übernommen hätte. Erst 1993 waren die Arbeiten fertiggestellt.

Laut Auskunft des Bistums soll die Wandseite mit dem Himmlischen Jerusalem als erstes Seite noch 1984 entstanden sein. Es wird auch als Altarfenster bezeichnet, da es sich über einer Empore direkt hinter dem Hauptaltar erhebt. Das Zentrum wird von einer riesigen Schnecke dominiert, der kreisende Bewegungen nach Innen führen. Die Bewegungen enden jedoch im Nirgendwo, auf eine bildliche Darstellung der Mitte wurde hier verzichtet (woanders setzte Plum an dieser Position das Lamm Gottes).

Aufgenommen sind jedoch die zwölf Perlen als weiße Glasbrocken, von denen jeweils drei an den vier Himmelsrichtungen gesetzt sind. Vor dem Jerusalems-Kreis sind sieben tiefrote Flammen gesetzt, drei links, vier rechts. Man kennt sie aus der Pfingstgeschichte. Traditionell symbolisieren sie göttliche Eigenschaften wie Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Die Idee war, dass diese Eigenschaften sich von ober herab auf die davor versammelte Gemeinde ergießen und sie stärken soll.
Auf eine kleine Besonderheit soll abschließend hingewiesen werden. Das alttestamentliche Vorbild des Neuen Jerusalem ist bekanntermaßen die Arche Noah. Der Bund Gottes mit Noah nach der Sintflut ist auch in Herz-Jesu zu finden, an der Nordseite.

Neben einigen noch heute existenten Tierarten findet man dort auch einen blauen Saurier. Es scheint so zu sein, dass wir hier die weltweit erste Darstellung eines Sauriers in einer katholischen Kirche vor uns haben. Die Frage, ob sich Saurier tatsächlich auf der Arche Noah befanden, wird unterschiedlich beantwortet, je nachdem, ob man sie aus wissenschaftlicher oder kreationistischer Sicht betrachtet. Ob sich Saurier dann auch wieder im Himmlischen Jerusalem einfinden, ist eine weiterführende Frage – bildlich ist solches bislang nicht dargestellt worden.
Alois Johannes Plum: Gedanken zur Gestaltung der Kirchenfenster, Mainz 1993.
Anette Vogel: Gottes Weg mit den Menschen durch das Alte und Neue Testament, dargestellt in den Fenstern der katholischen Kirchengemeinde Herz-Jesu, Kassel-Niederzwehren, Kassel 1997.
Anette Vogel: Gottes Zelt mit der Bilderbibel im Großformat. Herz-Jesu-Kirche in Niederzwehren, in: Heimatverein Dorothea Viehmann, 57, 3, 2013, S. 164-166.
Johanna Anders: Neue Kirchen in der Diaspora, Kassel 2014.



