Else Hildegard Bircks (1903-1994): Vorraum der Kirche St. Hubertus in Oberrode (1964)

Im Frühjahr 1964 kam es zur Verglasung der neu errichteten Kirche St. Hubertus in Oberrode bei Fulda. Das dortige Bistum beauftragte Else Hildegard Bircks (1903-1994) mit der Gestaltung eines Vorraums zur eigentlichen Kirche. In ihrem Schaffen war es die erste Auseinandersetzung mit dem Motiv des Himmlischen Jerusalem, noch wenige Monate vor der Verglasung von Borken. Damals führte Bircks ihr Atelier bereits in Heidenoldendorf (Detmold). Für den Eingangsbereich wurde das Thema Wasser ausgewählt, ein Lieblingsthema der Künstlerin. So soll die Verglasung in blauen Scheiben um das Eingangsportal das Wasser des Heils symbolisieren.

Direkt gegenüber finden sich zunächst zwei Fensterbahnen mit zwei Bildmotiven, der Arche Noah links und dem Neuen Jerusalem rechts. Diese Gegenüberstellung von alttestamentlichem und neutestamentlichen Rettungsort war gerade zu dieser Zeit populär; Ähnliches findet man auch in der Kirche von Kleinglattbach, der Petruskirche in Gablenberg oder in der Martinskirche in Rötenbach – alles evangelische Kirchen, während das Motiv im katholischen Kontext auf Glasfenstern seltener zu finden ist, aber vielleicht gerade über die Kirche in Helsa im gleichen Bistum bekannt wurde. Die Fensterbahnen sind synchron aufgebaut: In hellblaue Scheiben (der Rahmung) ist ein Band aus dunkelblauen Scheiben gesetzt. In diese wurde mit roten Scheiben das eigentliche Bildmotiv gesetzt. Das Neue Jerusalem wurde zusätzlich mit Glasbrocken verziert.

So findet man rote Brocken als göttliche Präsenz in der Mitte der Stadt und weiße Brocken außen als Perlen. Leider hat sich auf diesen Brocken der Staub der Jahrzehnte niedergesetzt, eine einfache Reinigung könnte aus dem Schwarz wieder ein Weiß machen. Unten sind an einer Seite jeweils drei Tore des kubischen Bauwerks, das im Raum zu schweben scheint. Oben und unten durchstößt der zum Betrachter hin gedrehte Kubus nicht allein das dunkelblaue Band, sondern stößt bis an die Ränder des Fensterbandes.
Betritt man die Kirche durch die schweren kupferbeschlagenen Portaltüren, dann fällt der Blick direkt auf das Himmlische Jerusalem.

Bewegt man sich dann weiter nach rechts in den eigentlichen Kirchensaal, wird das Thema mit dem apokalyptischen Lamm in der Fensterrosette fortgesetzt und vollendet. Macht man sich die Mühe und umrundet die Kirche, wird man an der Südseite feststellen, dass der Vorraum nicht aus zwei, sondern aus drei Fenstern besteht, wobei das erste (von außen rechte) Fenster allein geometrische Strukturen aufweist.

Selbstverfasster Lebenslauf von Else Bircks, einschließlich Werkverzeichnis aller Arbeiten ab 1941 (Typoskript 1987).
Heribert Kramm: Kleiner Kirchenführer Filialkirche Oberrode St. Hubertus, Oberrode 2014.
Heribert Kramm: 50 Jahre Filialkirche St. Hubertus Oberrode. Moderne Kirche mit barocker Inneneinrichtung, in: Buchenblätter, 87, 17, 2014, S. 65-66.
50 Jahre Filialkirche St. Hubertus Oberrode. Festschrift 50 Jahre Filalkirche St. Hubertus Oberrode 1964-2014, Oberrode 2014.

 

tags: Hessen, Narthex, Arche Noah, Glasbrocken
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