Karl Alexander Dedy (1935-2020): Fenster aus der Kapelle des St. Josefshauses in Refrath (1986)

Das St. Josefshaus ist ein Altenheim mit vollstationärer Pflege in Refrath, einem Stadtteil von Bergisch Gladbach. 1954 war das Haus von den Pallottinerinnen gegründet worden und es befindet sich heute in der Trägerschaft der Altenhilfe St. Marien gGmbH.
Hinter der Empore, auf der Seite dem Altar gegenüber, befand sich ursprünglich eine Fensternische mit einer einfachen transparenten Verglasung, die erst Mitte der 1980er Jahre mit einem Buntglasfenster aufgewertet wurde.

Das Besondere ist dort, dass das Fenster mit einem Lamellenvorhang versehen ist, damit der Priester am Altar bei der Abendmesse nicht geblendet wird. Ist der Vorhang zugezogen, so kann man eigentlich kaum die Bildmotive erkennen. Nach vollständigem Aufziehen, was wegen der Höhe des Fensters nicht ganz einfach ist, offenbart sich ein Himmlisches Jerusalem.

Das St. Josefshaus besitzt zu dem Fenster keine Unterlagen, der Künstler ist verstorben, zuverlässige Fachliteratur existiert nicht. Dank der Tochter des Künstlers, Anastasia Dedy Jansegers, ist es aber doch gelungen, einige Elemente dieser Glaskunstarbeit näher zu bestimmen. Zunächst fallen die weißen Häuser auf, die sich eng aneinanderreihen. Aus zwölf Toren strömen die Fluten des Lebensflusses nach unten. Von links nach rechts werden die Häuser höher, und die grünblauen Fluten stürzen wie ein Wasserfall nach unten, um links die Bäume zu befruchten. Einem der Häuser (dem dritten von links) sagt man nach, dass man hier – vermutlich unbeabsichtigt – ein menschliches Gesicht erkennen kann.

Eine gewaltige Sonne leuchtet im Hintergrund und lässt den Baum der Erkenntnis wie den Baum des Lebens (beide links) wachsen. Dort ist in einer Ecke das Fenster auch datiert und signiert. Es ist eine Arbeit von Karl Alexander Dedy (1935-2020) aus dem Jahr 1986, die Ziffer 1 gibt an, dass das Glasbild im Januar gemalt worden ist – eine für diese Zeit überraschend moderne Darstellungsweise, was vielleicht folgenden Grund hat: Künstler anderer Werke aus diesem Jahr, wie Nikolaus Bette, Heinz Lilienthal oder Alois Plum hatten schon längst ihre Interpretationsweise in den 1960er Jahren gefunden, die sie immer wieder reproduzierten – Dedy hingegen setzte sich nur ein weiteres Mal mit diesem Thema in Glas auseinander und schuf daher ein Werk auf der Höhe seiner Zeit.

Eine Besonderheit sind die zwölf Steine vor der Stadt. Ähnliche Steine im Kontext des Neuen Jerusalem kennt man vor allem von den mittelalterlichen Weltgerichten, auf denen die Toten, meist im unteren Bereich, aus den Gräbern zum Gericht gerufen werden. Hier sind die Grabsteine im übertragenen Sinne das Lebenswerk der Apostel, die laut der Johannesoffenbarung (Kap. 21, Vers 14) das Fundament der Stadt ausmachen sollen. Anhand ihrer traditionellen Symbole kann man die Apostel eindeutig zuordnen:
-eine Hand, von Finger in eine Wunde legt: Thomas
-ein Adler: Johannes
-zwei übereinander gelegte Keulen auf einem Buch: Jakobus der Jüngere
-ein Morgenstern und Säge: Simon der Zelot
-eine Feder, Schriftrolle und Beil: Matthäus
-ein Messer auf einem Lederfell: Bartholomäus
-eine abgebrochene Lanze: Judas Thaddäus
-ein Schwert, in den Boden gesteckt: Paulus
-übereinander gekreuzte Schlüssel: Petrus
-das Philippuskreuz: Philippus
-eine Jakobsmuschel: Jakobus d. Ältere
-ein lateinisches Kreuz: Andreas.

Der Künstler hat an der Konzeption des Fensters intensiv gearbeitet, zumal ihn die Reihe der Apostel mit entsprechenden Symbolen auch bei der Kapelle des Militärbischofsamts in Bonn beschäftigte. Dort sind es 13 Apostel, in Refarth hingegen zwölf. Dokumente aus dem Nachlass des Künstlers belegen, wie intensiv Dedy den Bibeltext studierte und sogar kommentierte, um zu seiner künstlerischen Lösung zu kommen.

 

Zum Künstler:

Karl Alexander Dedy wurde am 16. März 1935 in Essen geboren und wuchs in Köln auf. Seine erste berufliche Station war 1950 ein Praktikum bei der Stadt Köln im Bereich Werbegrafik. Es folgte eine Ausbildung an der Staatlichen Glasfachschule in Rheinbach (1951) und ein Studium an der Kunstakademie Stuttgart (1953). Zwar kam er über die Malerei zur Kunst, doch an seinem eigentlichen Schwerpunkt, der Glasmalerei, hatte er ebenfalls frühzeitig Interesse. Ab 1957 war er freischaffend tätig als Glasmaler und Glasgestalter mit einem breiten Spektrum von behördlichen bis zu privaten Aufträgen. Obwohl er Mitglied der römisch-katholischen Kirche war, hat er Glasfenster in Kirchen und Kapellen beider Konfessionen entworfen.
Dedy ließ er sich auch zum Meister auf dem Gebiet der Glas- und Porzellanmalerei ausbilden und machte 1960 die Meisterprüfung. Das ermöglichte, dass er 1961 seinen ersten Betrieb eröffnen konnte. Es folgte 1965 eine zweite Meisterprüfung auf dem Gebiet des Glashandwerks. 1966 wurde er in den Ausschuss der Gesellenprüfung seiner Innung berufen, seit 1969 war er Mitglied des Meisterprüfungsausschusses für Glas- und Porzellanmalerhandwerk in Nordrhein-Westfalen. In diesen Funktionen hatte er Kontakt und Einfluss auf eine große Zahl nachwachsender Talente, da gerade Köln ein Zentrum der Glasmalerei war und eine Vielzahl von Künstlern und Künstlerinnen hervorbrachte. In Verbänden und Fachorganisationen arbeitete Dedy konstruktiv mit und stellte sein Wissen zur Verfügung, nicht zuletzt als Lehrer an der Bezirksfachschule für das glasgestaltende Handwerk Köln.
Für seine Verdienste um die Förderung des Nachwuchses erhielt Dedy 1976 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Neben dem Engagement um die Ausbildung war er auch Experte für technische Fragen und betrieb selbst die Weiterentwicklung der Glasproduktion. Als erster Deutscher erhielt er so 1979 die Goldmedaille der „Academia Italia delle Arti e del Lavoro“ für seine Weiterentwicklung von Millefiori (eine seit der Antike bekannte Form der Glasware) und von Fadengläsern. Kurz danach wurde Dedy, der fließend Italienisch sprach, selbst in diese Akademie berufen.
Neben seiner Teilnahme an zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen vor allem in den 1960er Jahren sind drei Einzelausstellungen hervorzuheben, an der Galerie „Das Fenster“ (Düren 1964), im Kunstpavillon Düsseldorf-Benrath (1965) und an der „Galerie B“ in Bensberg (1969). In seiner Frühzeit sind vor allem farbintensive symbolische Malereien mit einem religiösen Bezug entstanden, ab den 1970er Jahren kam es vermehrt zu Aufträgen für Kirchenglasfenster. Diese wurden in seinem Atelier „Glaskunst Dedy GmbH“ in Schildgen bei Bergisch-Gladbach entworfen und auch hergestellt. Mitarbeitende seines Ateliers konnten mehrfach bei den Leistungswettbewerben der Handwerksjugend in den 1960er und 1970er Jahren Preise erringen. 1995 führte die Handwerkskammer Köln die Ausstellung „Karl A. Dedy. Köln – Venedig…immer unterwegs in Sachen Glas und Kunst“ durch. Am 30. September 2020 ist Dedy an seinem Wohnort verstorben; der Betrieb wurde von zwei seiner sieben Kinder noch bis Anfang der 2020er Jahre fortgeführt.

Das Atelier „Glaskunst Dedy GmbH“ stattete folgende Kirchen und Kapellen mit Buntglasfenstern aus (Auswahl):
-St. Clemens in Bergisch Gladbach-Paffrath (1960)
-Ev. Kirche von Kleineichen, Stadtteil von Rösrath, heute Kolumbarium (1963)
-Kapelle des Militärbischofsamt in Bonn (um 1965)
-Friedhofskapelle Scherfenbrand/Leverkusen (1967)
-Kirche Maria Frieden in Odenthal-Eikamp (1973)
-Fenster des evangelischen Gemeindehauses in Bonn-Holzlar (1974)
-Martin-Luther-Kirche in Weilerswist (1977)
-Kapellenfenster des St. Josefshauses in Refrath (1986)
-Seniorenpflegeheim St. Josef in Siegburg-Wolsdorf (1989).

Karl Alexander Dedy: Glasbilder und Malerei. Ausstellung im Kleinen Saal des Theaters der Stadt Offenbach am Main, 22. Okt. – 14. Nov. 1971, Offenbach 1971.

 

tags: NRW, Bergisches Land, Seniorenheim, Altersheim, Grabsteine
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