Cristóbal Lloréns (um 1553-1617) zugeschrieben: Ölmalerei der Maria Immaculata (um 1597)
Cristóbal Lloréns (um 1553-1617) war ein spanischer Maler der Spätrenaissance aus Bocairent. Um 1597 ist er in Valencia nachgewiesen, einer Stadt, die in Spanien damals in der Malerei führend war. An wenigen Werken aus kirchlichen und staatlichen Sammlungen ist seine Mitarbeit unumstritten, seine Urheberschaft wird hier schon seit Jahrhunderten vermutet; darunter fallen ein Kreuzigungs-Retabel, ein Porträt Johannes des Evangelisten (beides Valencia) und das Gemälde „Flucht aus Ägypten“ (Xàtiva). Hinzu kommt eine ständig wachsende Zahl von Werke aus Privatsammlungen oder aus dem Kunsthandel, die die Urheberschaft, die Mitarbeit oder den Umkreis des Cristóbal Lloréns beanspruchen. Für diese gilt fast immer das Phonemen „ex nihilo“: Jahrhunderte waren die Werke verschollen oder an unbekanntem Ort, wie aus dem Nichts erscheinen sie im 21. Jahrhundert. Vielleicht hat es dieses Phänomenen schon früher gegeben, aber erst das Internet macht dies quantifizierbar: Gab es von 1990 bis 2000 immerhin drei „neue“ Lloréns-Werke, so wurden zwischen 2010 bis 2020 der Weltöffentlichkeit bereits acht neue Lloréns-Werke vorgestellt, zum Teil von angesehenen Galerien. Fast gewinnt man den Eindruck, der Meister sei noch heute aktiv.

Eine dieser Novitäten thematisiert die Maria Immaculata nach der Lauretanischen Litanei (Privatbesitz Valencia) – fraglos das große neue Thema zu Lebzeiten von Lloréns, welches gerade über Joan de Joanes (Juan de Juanes) in Valencia präsent war. Diese Arbeit wurde erst kürzlich fachkundig restauriert, wobei der vorherige Zustand analysiert und dokumentiert ist – offensichtlich haben wir eine Jahrhunderte alte Arbeit vor uns.
Die glatte Oberflächenbehandlung, die an Kupferplatten- oder Lackmalerei erinnert, ist typisch für Werke aus der Mitte und zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (und kann freilich später imitiert worden sein). Es handelt sich bei der Darstellung um eine Marienkrönung, umgeben von einigen ihrer prominenten Symbole. Darunter zählt immer auch die Himmelspforte (hier links oben) und die Gottesstadt (links unten). Sie schweben ohne Wolken frei im Raum, sind aber mit den lateinischen Schriftbändern versehen, die zu dieser Zeit geradezu obligatorisch waren. Die Ausführung beider Symbole orientiert sich eng an Joanes, an dessen Arbeiten sich Lloréns hier besonders orientiert, während alle anderen seine Malereien eine andere Handschrift tragen und bereits den flämischen Einfluss spüren lassen. Zwei Details fallen auf: Bei der Civitas Dei findet man die Schreibweise „Sivitas Dei“ – ich kenne keine weitere Malerei oder auch nur Zeichnung, die diese Schreibweise verwendet – möglicherweise handelt es sich um einen Schreibfehler, denn so etwas hat es auch im 16. Jahrhundert gegeben. Das andere Detail betrifft den Marienspiegel. Er ist hier quergestellt und richtet sich nach Maria hin aus – eine für die Darstellungsweise der Mariensymbole eigenartige Variation, die man anderswo, etwa bei Joanes (an den Lloréns sich doch anlehnen wollte?) nicht findet – Mariensymbole mussten direkt frontal für alle Gläubigen sichtbar sein.
Fernando Benito Domenech (Hrsg.): Cinco siglos de pintura valenciana, Obras del Museo de Bellas Artes de Valencia, Madrid 1996.
Borja Franco Llopis, La pintura valenciana entre 1550 y 1609. Cristología y adoctrinamiento morisco, in: Lleida-València, Espai/Temps, 53, 2008, S. 194-195.
Lorenzo Hernández Guardiola: Nuevas obras del pintor Cristóbal Lloréns I (Bocairent, circa 1550-¿Valencia?, después de 1617), in: Museo e Instituto de Humanidades Camón Aznar (Zaragoza), Boletín, 106, 2010, S. 45-60.


