Umkreis des Antonio Palomino (1655-1726): Ölmalerei der Maria Immaculata (um 1697)
Antonio Palomino (mit vollem Namen Acisclo Antonio Palomino de Castro y Velasco, 1655-1726) war ein spanischer Maler, der heute noch in der Wissenschaft als Kunsttheoretiker etwas bekannter ist (sein Band „El Museo Pictórico y Escala Óptica“ gilt als eine der wichtigsten Quellen zur spanischen Barockmalerei). Er hatte zunächst Theologie studiert, doch parallel begann er zu malen und zu zeichnen. Unter seinen Lehrern waren ausgewiesene Meister wie Juan de Valdés Leal oder Juan de Alfaro y Gámez, der ihm empfahl, nach Madrid zu gehen und Hofmaler zu werden. Es folgten vor allem Freskenmalereien für königliche Paläste, öffentliche Gebäude und schließlich den Escorial, auch als als Restaurator der königlichen Gemäldesammlung war Palomino tätig, selbstverständlich mit weiteren Hilfskräften. In seinen letzten Lebensjahren gewann wieder sein religiöses Interesse das Übergewicht. Er ließ sich 1725 zum Priester weihen und gehört somit zur Gruppe der Priestermaler.
Religiöse Themen waren ein Hauptschwerpunkt seines Schaffens, so gibt es Malereien zu zahlreichen Märtyrern, zu dem Antonius von Padua oder zu Thomas von Aquin. An erster Stelle müssen jedoch seine Marienbildnisse angeführt werden, ein Dutzend sind davon heute noch nachgewiesen, am bekanntesten diejenigen für den Hauptaltar der Kathedrale von Córdoba, eine Maria Immaculata für die Kathedrale von Palencia und eine weitere Fassung, die heute in der Sammlung des Museums der Schönen Künste von Córdoba aufbewahrt wird.
Aufgrund seiner markanten Malweise und seiner großen Schülerschaft existiert eine größere Zahl von Werken, die aus dem „Umkreis“ von Antonio Palomino stammen sollen oder es tatsächlich tun. „Umkreis“ kann Verschiedenes bedeuten. Es kann heißen, dass der Meister lediglich das disegno vorgegeben hat oder bestimmte (vorzugsweise anspruchsvolle) Partien ausgeführt hat, es kann ein Werk aus der Werkstatt des Meisters oder von Schülern sein und schließlich ist auch eine Arbeit, die lediglich im gleichen Jahrhundert gefertigt wird, aus dem „Umkreis“, nur eben aus einem sehr weit gefassten. Vor allem Auktionshäuser vergeben leichtfertig diesen Begriff, um damit den Wert von Malereien zu erhöhen – es sind Urteile nach Augenschein, so gut wie nie mit Quellen belegt.

So ist es auch im vorliegenden Fall. Die 210 x 147 Zentimeter große Ölmalerei soll Ende des 17. Jahrhunderts in Valencia entstanden sein. Auftraggeber war ein wohlhabender Bürger. Die Malerei ist klar aufgebaut, die barocken Züge sind noch zurückhaltend, keinesfalls Rokoko, und die Betonung liegt auf dem Wesentlichen. Dementsprechend zeigen die Werke Palominos nicht die Symbole Mariens – hier hingegen werden zumindest zwei gezeigt, darunter rechts eine Himmelpforte. Für spanische Malereien typisch wird sie als blockartiger Bau in klassischer Form gezeigt, mit einem steinernen Vorbau, einer Himmelstreppe. Diese wird, wie auch der Turm Davids gegenüber, von zwei Putti getragen. Während bei Palomino die zentrale Marienfigur immer mit offenen Augen nach oben blickt, sind hier die Augen geschlossen, der Blick gesenkt. Diese und andere Details sind Anzeichen, dass die Malerei wohl eher von einem Schüler angefertigt worden ist. Letzten Aufschluss könnten nur eine chemische Materialanalyse der Farbpigmente gesicherter Arbeiten Palominos im Vergleich zu ungesicherten Werken wie diesem geben – eine kaum zu finanzierende Methode.


