Wandfresko aus dem Kloster Schönau bei Strüth (1300-1350)

Das Kloster Schönau befindet sich entlegen im Taunus, die Mönche haben die Anlage bereits im frühen 19. Jahrhundert verlassen. Hunderte Jahre zuvor, im 13. und 14. Jahrhundert, war dieses Kloster ein wirtschaftliches und spirituell bedeutendes Zentrum, von dem aus dem Heilige Elisabeths von Schönau wirkte. Aus dieser Glanzzeit hat sich noch der gotische Chor der Kirche St. Florian mit dem Kreuzgerippe erhalten, auf dessen Triumphbogen sich umfangreiche Malereien befanden. Diese Malereien waren an der Westseite gegenüber dem Altarbereich: Das Ordenkapitell konnte sie während der Messfeier sehen, die Besucher im angrenzenden Gemeindesaal nicht.

Man wusste immer, dass mittelalterliche Malereien vorhanden waren, doch zu einer Teilfreilegung kam es erst in den späten 1980er Jahren. Dabei hat man im oberen Bereich ein Weltgericht vorgefunden, dass vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden ist, als auch andere bauliche Tätigkeiten umgesetzt werden konnten, etwa die Elisabethenkapelle an der Nordseite des Kirchenschiffes. Unter Putz wurden die Malereien kurz nach 1723 gelegt, nachdem ein Brand die Fresken beeinträchtigte. Spuren des Brandes und Farbveränderungen konnten bei der Freilegung festgestellt werden.
Für die Region sind die Malereien einzigartig; derartige Weltgerichtsdarstellungen findet man erst Kilometer entfernt in Dorchheim oder in Montabaur. Im vorliegenden Fall dürften die Maler aber nicht aus dem Bistum Limburg, sondern aus Mainz gekommen sein. Christus thront in Schönau auf einem Regenbogen mit den Füßen auf einer Weltkugel. Auf dieser sind Längen- und Breitengrade angedeutet, des weiteren ist ein Stern zu finden. Auf dem Schwert erwächst nach links eine Lilie und nach rechts ein Schwert: die Blätter der Lilie und die Flammen des Schwertes sind am deutlichsten dem 13. Jahrhundert verhaftet. Links wird Christus von Maria assistiert, rechts von einer Figur, die traditionell Johannes (der Täufer) ist – von seinem zotteliger Fellmantel haben sich lediglich hellgelbe Fragmente im unteren Bereich erhalten. In der linken Ecke findet sich das Neue Jerusalem, welches man jedoch nur erkennt, wenn man um die Bildtradition weiß: Die Figur im Gewand ist vermutlich Petrus, sein Schlüssel scheint über seiner rechten Schulter angedeutet. Dahinter erahnt man eine Pforte, der ein lateinisches Kreuz aufgesetzt wurde. Vermutlich ist dies eine Interpretation des Restaurators, im Original war hier gotisches Maßwerk eines Wimperg. Weitere Architektur dürfte sich links der Pforte befunden haben, vielleicht ein angrenzendes Kirchenschiff, doch Konkretes hat sich nicht erhalten. Gleiches gilt für die rechte Seite: Dort ist keineswegs, wie bereits vermutet wurde, der Lebensbaum zu sehen, sondern es sind Flammen und Rauch einer Höllendarstellung. Erwähnenswert sind noch zwei Besonderheiten: Zwischen Petrus und Maria finden sich schwarze Buchstaben einer offensichtlich lateinischen Inschrift: „Hoc. Tem…“. Hierbei handelt es sich keinesfalls um Buchstaben aus dem 14. Jahrhundert, auch befand sich damals an dieser Position eine Gruppe von Ständevertretern, die von Petrus in die Pforte geleitet wurden. Die neuzeitliche Schrift ist möglicherweise ein Fragment einer Beschriftung, der von der Ordensgemeinschaft Ancillae Domini Jesu Christi angebracht wurde, die die Klosterkirche von 1904 bis 1986 nutze.

Eine weitere Besonderheit ist die Fortsetzung der Malereien nach oben. Anscheinend war zumindest auch die erste Kappe in der gleichen Art wie der Triumphbogen ausgemalt. Vermutlich waren dort Engel zu sehen, die die Arma Christi, die Leidenwerkzeuge von Christus präsentierten – darauf lassen nicht allein ähnliche Konzeptionen aus anderen Kirchen aus dem Spätmittelalter schließen, sondern auch die Dornenkrone, der sich im linken Zwickel erhalten hat.

Magnus Backes: Die Bau- und Kunstgeschichte von Kloster Schönau, in: Schönauer Elisabeth-Jubiläum 1965. Festschrift anlässlich des achthundertjährigen Todestages der heiligen Elisabeth von Schönau, hrsg. v. Prämonstratenser-Chorherrenstift Tepl, Limburg/Lahn 1965, S. 101-133.
Magnus Backes: Kloster Schönau im Taunus, Neuss 1976 (2).
Meinrad Schaab: Die Zisterzienserabtei Schönau im Odenwald, Heidelberg 1990 (2).
Stephanie Hartmann: Schönau im Taunus als Ort der heiligen Elisabeth von Schönau (gest. 1164/65), in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, 65, 2013, S. 25-39.

 

tags: Triumphbogen, Benediktiner, Arma Christi, Gotik, Rheinland-Pfalz, Taunus
Share:
error: