Taylor MS. 7: Französisches Stundenbuch (um 1530)

Diese Darstellung der Maria Immaculata ist etwa 1530 entstanden. In ihr zeigen sich Einflüsse einer ganzen Reihe von jüngeren Arbeiten. So findet sich um das Bild auf fol. 97r mit der Marienfigur ein goldener Rahmen mit Stilmerkmalen der Frührenaissance. Hier wird der Rahmen selbst zur Architektur: Ein Torbogen entsteht, durch den der Blick auf das Bild fällt.

Die Zahl und Auswahl der Symbole Mariens ist im Vergleich zu Thielman Kerver noch unverändert, aber die Anordnung beginnt sich zu ändern. Die Himmelspforte in von oben, am Kopf Mariens, auf die Höhe ihres Schoßes gerutscht. Die Civitas Dei hat mit dem Hortus Conclusus die Seiten getauscht. Es sind einfache, graue Zeichnungen ohne besondere Raffinesse. Der blaue Hintergrund ist ohne Ornament oder Musterung; auch der Strahlennimbus um Maria hat eine geringe Wirkung und erreicht nicht einmal die ihn umgebenden Symbole. Geradezu plakativ wirken die lateinischen Schiftbänder, ähnlich wie auf MS Latin 1391. Es ist eines der wenigen Kunstwerke, auf dem man statt dem üblichen „Tota Pulchra“ das „Tota Pulcra“ findet.
Die Zeichnung zeigt klar den Einfluss der Schule von Gillet Hardouyn, sie kann durchaus von jemanden stammen, der zeitweise mit Hardouyn zusammengearbeitet hat oder bei ihm in die Lehre gegangen war. Dem kommt entgegen, dass als Entstehungsort der Großraum von Paris, die Île-de-France, angenommen wird. Das Stundenbuch mit dieser Illustration ist Teil der Robert H. Taylor Collection, Department of Rare Books and Special Collections der Universitätsbibliothek Princeton (Signatur Taylor MS 7).

Elisabeth L. Roark: Keeping the faith. The catholic context and content of Justus Engelhardt Kühn’s Portrait of Eleanor Darnall, ca. 1710, in: Maryland Historical Magazine, 109, 4, 2014, S. 391-427.
The miracles of the Blessed Virgin Mary by William of Malmesbury, trans. by R. M. Thomson and M. Winterbottom, Woodbridge 2017.

 

tags: Stundenbuch, Frührenaissance, Rahmen, Civitas Dei, Porta Coeli
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