José de Ibarra (1688-1756): Maria Immaculata in San Francisco von Guadalajara (um 1750)

Neben Juan Rodríguez Juárez (1675-1728) und Cristóbal de Villalpando (ca. 1649-1714) zählt José de Ibarra zu den bedeutendsten Malern Neuspaniens der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Hauptgegenstand, der damals überhaupt zahlreichen Malern eine Existenz ermöglichte, waren die Ölmalereien der Maria Immaculata für die expandierenden Kirchen und Klöster. Sowohl Juárez, de Villalpando als auch de Ibarra haben sich mit dieser Thematik beschäftigt. De Ibarra, der auf dem Gebiet des heutigen Mexikos geboren wurde und lebte, war zunächst Schüler von Juan Correa, von dem er in die Malereien der Maria Immaculata eingeführt wurde. Um 1750 wurde er mit einem Ölgemälde für die römisch-katholische Kirche „Templo de San Francisco de Asís“ in Guadalajara beauftragt, also der Geburtsstadt von José de Ibarra. Die Franziskanerkirche war gegen Ende des 17. Jahrhunderts im Äußeren fertiggestellt worden, nun folgte die Aufwertung durch professionelle Innenausstattung.

Die Symbole Mariens, von denen im 17. Jahrhundert noch meist über zehn gezeigt wurden, werden hier auf lediglich zwei reduziert: Links oben eine Himmelspforte, rechts oben der Marienspiegel. Möglicherweise wurde hier eine besondere Beziehung zwischen Pforte und Spiegel angedeutet, der sich auf ein Epigramm bezogen haben könnte, das verloren oder nicht mehr bekannt ist – eine vergleichbare Gegenüberstellung kennt man von einer Malerei aus dem Museum Altos de Chiapas in San Cristóbal de las Casas.
Die Pforte wird von ihrer Seite gezeigt, einige Strahlen dringen aus ihrem Inneren Richtung Maria. Vor die Pforte sind mehrere Stufen gesetzt, wie man es auch von anderen Malereien her kennt, etwa aus der Basílica Nuestra Senora de Ocotlan, in Tlaxcala, von Malereien der Maler Juan Conchillos Falcó oder Antonio de Torres.

Manuel Toussaint: Colonial art in Mexico, Austin 1967.
Paula Mues Orts: José de Ibarra, Profesor de la nobilísima arte de la pintura, círculo de Arte, Mexico City 2001.
Luisa Elena Alcalá, Jonathan Brown (Hrsg.): Painting in Latin America, 1550-1820, Haven 2014.

 

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