„Maler von El Tocuyo“: Immaculata-Malereien (um 1700)

Der Begriff „Maler von El Tocuyo“ bezieht sich auf einen anonymen Kolonialkünstler, der im späten 17. Jahrhundert in El Tocuyo, im heutigen Venezuela, tätig war. Nachgewiesen, hauptsächlich dank der Studien von Alfredo Boulton, ist er dort zwischen etwa 1682 und 1702. Der Maler von El Tocuyo ist heute in Fachkreisen bekannt für religiöse Werke wie den Erzengel Michael („San Miguel Arcángel entre San Francisco Javier y San Francisco de Asís“) oder mehrere Fassungen der Unbefleckten Empfängnis.

Eine dieser Immaculata-Fassungen, entstanden um 1700 für eine römisch-katholische Pfarrkirche, ist in einem hervorragendem Zustand, da sie 1985 von Mercedes Hurtado de Ghinaglia restauriert wurde. Man findet sie in der römisch-katholischen Gemeindekirche El Tocuyo in Venezuela. An der linken Seite hat der Maler von El Tocuyo eine kleine, offen stehende Himmelspforte mit einem barock verzierten Dreiecksgiebel aufgesetzt, die von drei Lichtstrahlen erreicht wird. Diese Strahlen (zwei gerade, einer gewellt) waren charakteristisch nicht allein für Mariendarstellungen Venezuelas an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert.

 

Ganz ähnlich ist, vor allem was die Auswahl der Mariensymbole angeht, eine Zweitfassung aus gleicher Zeit, die sich in Privatbesitz befindet. Das Bild zeigt Maria zusammen mit den Heiligen Franziskus und Dominikus, deren Orden für die Entwicklung Venezuelas von hoher Bedeutung waren. Die Malerei ist „billiger“ ausgeführt, die Symbole wurden schneller und oberflächlicher aufgesetzt als für ein Altargemälde. Die Pforte ist hier weniger barock, sondern mehr im neuspanischen Kolonialstil gehalten. Ein entscheidender Unterschied: Sie ist nicht geöffnet, sondern mittels zwei Flügeltüren geschlossen.

Alfredo Boulton: Arte de Venezuela, Caracas 1977.
Alfredo Boulton: El Pintor del Tocuyo, Macanao 1985.
Damián Bayón: Arte moderno en América latina, Madrid 1985.

 

tags: Venezuela, Maria Immaculata, Kolonialstil
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