Charlotte Heckl-Böhm (geb. 1928): Mischtechnik „Neues Jerusalem“ (1982)

Kunstwerke, auf denen die Stadt des neuen Jerusalem tendenziell abstrakt wiedergegeben wird, kommen oft bei der Darstellung der Häuser zu rechteckigen Blöcken, die Bauklötzchen ähnlich sehen. Die Perlen der Tore werden dann zu einem runden Element, womit die Vielgestaltigkeit letztlich auf die zwei geometrischen Grundformen Kreis und Rechteck runtergebrochen werden. Es gibt bekanntere Beispiele dafür in der Glasmalerei (Robert Wehrlin 1960, Gerhard Hausmann 1962, Ingeborg Bukor 1968) oder auch bei Gemälden (Paul Maas 1967, von Andree le Coultre 1958 oder  Josef de Ponte 1966).
Die Malerei von Charlotte Heckl-Böhm gehört in diesen Kreis, wurde aber erst auf einer Kunstauktion bekannt. Möglicherweise stammt sie aus dem Nachlass der 1928 geborenen Malerin. Über Heckl-Böhm aus Süddeutschland ist nicht viel bekannt, neben Malereien und Zeichnungen, die gelegentlich einen Bezug zu Russland haben, gibt es von ihr auch Entwürfe zu Glasfenstern – ob und wo sie umgesetzt wurden, bleibt unbekannt.
Das Werk mit dem etwas erzählerischen Titel „Offenbarung 3, 12. Neues Jerusalem, Stadt meines Gottes, die vom Himmel hernieder kommt“ ist rückseitig datiert und auch signiert. 2020 stand es für unter einhundert Euro zur Auktion an. Das Blatt hat eine Größe von 44 x 32 Zentimeter. Rechteckige und dreieckige Flächen sind zu etwa gleichem Anteil blau oder rötlich gefärbt, mache heller, andere, vor allem zur Mitte hin, dunkler. In diesem kubistischen Konglomerat entstehen architektonische Formationen, die durch einige Kugeln aufgelockert werden. Fast gewinnt man den Eindruck, sie würden vor den Flächen frei im Raum schweben. In ihrer Form erinnern sie an Perlen, in den Farben (1 x Türkis, 1 x Rot, 2 x Violett, 3 x Rosa) an die Edelsteine der Stadt.

Charlotte Heckl-Böhm: Ein Bekenntnis. Malerei, Grafik, Kunsstoffobjekte, Schmuck, Freilassing 1968.

 

Beitragsbild: Michael Zeller, Lindau

tags: Kubismus, Auktion, Bauklötzchen
Share:
error: