Gury Nikitin (um 1620-1691): Fresken im Dreifaltigkeitskloster Danilov in Pereslawl (1661-1668)

Eine der ersten großen Aufträge des russischen Malers Gurij (Gury) Nikitin war die Ausschmückung des Danilov-Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit in Pereslawl (auch Dreifaltigkeitskloster Danilov). Danilov bezieht sich dabei auf den Heiligen Daniel, dessen 1652 entdeckten Reliquien in der Kathedrale aufbewahrt werden. Die Folge: Zahlreiche Pilger aus der gesamten Rus pilgerten zu der Kirche, übernachteten, gaben Geld aus: Zur Mitte des 17. Jahrhunderts waren auf einmal großzügige Umbau- und Renovierungsmaßnahmen möglich. Dabei wurde die Dreifaltigkeitskathedrale von einem Team von Ikonenmalern aus Kostroma unter der Leitung von Gury Nikitin (um 1620-1691) ausgemalt. Da man später diese Malereien, anders als die Ikonen, Sitzbänke und andere Einrichtungsgegenstände nicht abtransportieren konnte, überlebten sie die Plünderungen der Revolutionszeit, die Nutzung als Maschinen- und Traktorenwerk während des Kommunismus und die Zweckentfremdung als Lager für deutsche und österreichische Kriegsgefangene. In den späten 1990er Jahren wurden die Malereien sorgsam restauriert, die Stätte wieder für Gottesdienste hergerichtet. Die ehemaligen Ikonen sind größtenteils Kopien, die Wandmalereien original. Themen sind Christus Pantokrator in der Domkuppel und Szene des Jüngsten Gerichts an den Wänden. 1668 war alles abgeschlossen, Nikitin reiste zu anderen Aufträgen ab.
Nikitin hatte schon zuvor in Tutajew und nachher in Jaroslawl das Neue Jerusalem als Thema aufgegriffen – unabhängig davon, ob es ein spezieller Wunsch der Auftraggeber gewesen war oder der Wunsch des Künstlers war: Hier arbeitete jemand, der als Experte auf dem Gebiet apokalyptischer Darstellungsweisen galt. Immer wieder ist zu lesen, dass eine der Quellen für Nikitin die Kupferstiche von Claes Jansz Visscher gewesen waren, und noch heute ist das Kloster im Besitz derjenigen Piscator-Bibel, die der Maler benutzte.

Die Szenen heben sich von einem hellblauen Hintergrund ab, während Ocker, tiefes Karmesinrot und Olivgrün vorherrschen, durchsetzt mit vereinzelten leuchtend blauen und weißen Akzenten. Die himmlischen Szenen sind von Wolkenbändern umgeben, die irdischen Szenen spielen sich auf Felsformationen ab. Das Neue Jerusalem (Nordwand, westliches Seitenschiff, erste Ebene) steht zwischen den himmlischen und den irdischen Szenen, es zeigt daher weder ein Wolkenband noch Felsformationen. Ihr Grundriss ist weder quadratisch noch rund, sondern polygonal mit zahlreichen Vor- und Rücksprüngen, an denen manchmal kleine Türme gesetzt sind. Wie die gesamte Form der Stadt sein soll, weiß man nicht, da die Malereien rechts abrupt vom Durchgang zum Hieron unterbrochen wird. Dieser Durchgang ist gewöhnlich von einem Vorhang bedeckt, der auch Teile der Stadt verdeckt – es gibt nur sehr wenige Aufnahmen, die das Neue Jerusalem im Ganzen zeigen.
Die Stadt ist alles andere als eine Kopie unbelebter Darstellungen zahlreicher Ikonen; hier findet man Maria, begleitet von Engeln, darüber Christus in einer Mandorla, umgeben von zahlreichen Heiligen, die das ewige Abendmahl genießen. Die Heiligen sind hier nicht, wie auf Ikonen, in Arkaden gefasst, sondern von Baldachinen in unterschiedlichen Farben überwölbt. Eine derartige Ausgestaltung Jerusalems richtete sich nun gerade nicht nach der Piscator-Bibel, sondern an russische Vorbilder mit ihrer Orientierung an den Paradiesgarten knapp einhundert Jahre zuvor, siehe etwa die Apokalypsen-Interpretation aus Moskau von um 1550, die russische Zackenikone aus gleicher Zeit oder die zweite Moskauer Apokalypsehandschrift von ca. 1580.

 

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