„Das Leben und der Bericht über Wunder des heiligen Basilius sowie der Vision seines Schülers Gregors“ aus Moskau (1912)
„Das Leben und der Bericht über Wunder des heiligen Basilius sowie der Vision seines Schülers Gregors“ erschien 1912 in Moskau. Es war ein Projekt der christlichen Druckerei des Preobraschenski-Almosenhaus, dem spirituellen Zentrum der altgläubigen Kultur der Fedoseyevo-Gemeinde seit dem frühen 19. Jahrhundert. Vorlage war ein handgeschriebenes Menäon des Metropoliten Makarios. Der Druck altgläubiger Schriften auf dem Preobraschenski-Friedhof war seit dem späten 19. Jahrhundert illegal und führte zu zahlreichen Verhaftungen. Nachdem die Altgläubigen 1905 jedoch die offizielle Erlaubnis zum Publizieren erhalten hatten, eröffnete G. K. Gorbunow 1907 in Moskau eine Druckerei und Buchbinderei, die bis zur Revolution von 1917 in Betrieb war.
Die 145 Seiten wurden mit 24 x 18 Zentimeter großen Chromolithografien ausstattet. Deren Paginierung variiert von Exemplar zu Exemplar, manche Exemplare sind gar nicht paginiert. Die Auflage muss hoch gewesen sein, bis heute lassen sich immer wieder Drucke dieses Wunderberichts auf Auktionen finden. Da in ihm apokalyptische Geschehnisse beschrieben werden, findet sich auch das Neue Jerusalem darunter, meist als Beigabe im oberen Bereich einer Zeichnung, einmal aber auch ganzseitig.
Diese ganzseitige Darstellung befindet sich auf fol. 18. Ganz unten stehen Johannes und der Engel, der irrtümlich nach rechts zeigt, während sich das eigentliche Geschehen oben abspielt. Getragen von einem gewaltigen Engel, assistiert von weiteren an den Seiten, erscheint ein polygonales Jerusalem, angelehnt natürlich auch an die frühere Wunderbericht-Ausgabe von 1820, des weiteren an Darstellungen des Ikonentyps „Auferstehung“ und an die Kostroma-Ikone von 1764. Hier ist das Haupttor, das wir auf anderen Illustrationen dieser Ausgabe finden, noch geschlossen. Im Gegensatz zu Paradiesdarstellungen mit den drei Patriarchen thront hier Christus in der Mitte. Umgeben ist er von verschiedenen Pflanzen, darunter auch Weinreben. An zwei Stellen sind Gebäude eingesetzt, eine Mischung antiker Basiliken und orthodoxer Kirchenbauten.

Auf weiteren Illustrationen ist Jerusalem zeichnerisch als Stadttor mit etwas Mauerwerk wiedergegeben (fol. 7, 22, 91). Die Formen sind kantig und eckig, die Zacken und Rechtecke finden sich auf vielen Abbildungen in ähnlicher Form. Die Szenen mit dem Himmlischen Jerusalem füllen stets die obere Hälfte einer Seite, während auf der unteren Hälfte irdische bzw. biblische Geschehnisse gezeigt sind. Von der Stadt ist links stets die Mauer zu sehen, meist mit geometrisch gestalteter Oberfläche, die die Edelsteine imitieren. Rechts steht die Himmelspforte, ihre Flügel mit Kassetten sind weit geöffnet. Immer steht eine Figur darin, Christus, heilige Männer und Frauen.


