Johann Andreas Pfeffel der Ältere (1674-1748): Kupferstich „Symbola B. Mariae“ (1738)

Es handelt sich hier um eine Grafik von Johann Andreas Pfeffel dem Älteren (1674-1748), einem deutschen Kupferstecher, Radierer und Verleger aus Augsburg. Obwohl er zu seiner Zeit zu den führenden Augsburger Künstlern gehörte, hat die moderne Wissenschaft ihn vergessen – eine Pfeffel-Forschung existiert nicht, obwohl zu seiner Biografie und zu seinen Werken noch viel entdeckt werden kann.
Der Meister signierte dieses Werk rechts unten mit „I. A. P.“. Links findet sich die Abkürzung „S. C. M.“ für „Sacrae Caesareae Majestatis“ (lateinisch für „Seiner/Ihrer Kaiserlichen Majestät“). Dann folgt eine lateinische Angabe, aus der hervorgeht, dass hier die „Urbs“ und die „Porta“ zu sehen ist – dies ist auch der Fall. Wir sehen die Jungfrau Maria, umgeben von sechs Engeln, stehend auf einer Mondsichel. Ihr Antlitz ist von zwölf Sternen umgeben. Darüber, links und rechts, befinden sich Sonne und Mond. Die wesentlichen Symbole sind unten zu eine Art Stadtlandschaft zusammengefügt, Peffel hatte mit solchen Veduten einen gewissen Ruhm erlangt. Links im Hintergrund ist die Urbs (Sancta) mit einer hervortretenden Pforte, und rechts die eigentliche Pforte mit einer Fassade als klassische italienische Kirche. Sie ist schräg gesetzt, rahmt das Bild und setzt ein Gegengewicht zum Tempel Salomon gegenüber.
Der Kupferstich hat den Titel „Symbola B(eata). Mariae“, also in etwa „Die Symbole der glücklichen Maria“. Es ist Nummer zwölf einer Serie von Kupferstichen, die Pfeffel 1738 für den Franziskanerorden herausgebracht hatte. Die von ihm präsentierte Anordnung war keineswegs neu, Pfeffel kopierte eine Bildtradition, für die die Kupferstiche von Melchior Küsel, Jean Ganier, Bernard Castello (und Nachfolger) oder Bartolomé Esteban Murillo stehen. Pfeffel brachte diesen Bildtypus auf eine neue Qualitätsstufe, seine klare, barocke, aber nicht übertriebene Interpretation des jahrhundertealten Sujets ist beispiellos für das 18. Jahrhundert.

SchriftOlgerd Grosswald: Der Kupferstich des XVIII. Jahrhunderts in Augsburg und Nürnberg, München 1912.
Hugo Prinz: Altorientalische Symbolik, Berlin 1915.

 

 

tags: Marienverehrung, Barock, Kupferstich
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