Original Jacob von Sandrart (1630-1708); Kopie Johann Andreas Pfeffel der Ältere (1674-1748): Kupferstich „Symbola B. Mariae“ (Original um 1680, Kopie 1738)
Dieser Kupferstich hat den Titel „Symbola B(eata). Mariae“, also in etwa „Die Symbole der glücklichen Maria“. Es ist eine Fassung von Jacob von Sandrart (1630-1708) aus Nürnberg, der seine Arbeit unten rechts mit „J. V. Sand.“ signierte. Wir sehen die Jungfrau Maria, umgeben von sechs Engeln, stehend auf einer Mondsichel. Ihr Antlitz ist von zwölf Sternen umgeben. Darüber, links und rechts, befinden sich Sonne und Mond. Die wesentlichen Symbole sind unten zu eine Art Stadtlandschaft zusammengefügt, wie man es im (frühen) 17. Jahrhundert gerne darstellte, vgl. ähnliche Kompositionen von Melchior Küsel, Jean Ganier, Bernard Castello (und Nachfolger) oder Bartolomé Esteban Murillo stehen. Links im Hintergrund findet sich hier die Urbs (Sancta) mit einer hervortretenden Pforte, und rechts die eigentliche Himmelspforte mit einer Fassade als klassische italienische Kirche. Sie ist schräg gesetzt, rahmt das Bild und setzt ein Gegengewicht zum Tempel Salomon gegenüber.

Bekannt wurde die Arbeit allerdings erst ein halbes Jahrhundert später. Es handelt sich jetzt um eine Neufassung durch Johann Andreas Pfeffel dem Älteren (1674-1748), einem deutschen Kupferstecher, Radierer und Verleger aus Augsburg. Obwohl er zu seiner Zeit zu den führenden Augsburger Künstlern gehörte, hat die moderne Wissenschaft ihn vergessen – eine Pfeffel-Forschung existiert nicht, obwohl zu seiner Biografie und zu seinen Werken noch viel entdeckt werden kann. Der Künstler signierte dieses Werk rechts unten mit „I. A. P.“, die originale Signatur von Sandrart wurde retuschiert. Links findet sich die Abkürzung „S. C. M.“ für „Sacrae Caesareae Majestatis“ (lateinisch für „Seiner/Ihrer Kaiserlichen Majestät“), die diese Fälschung auch noch mit ihrer Genehmigung auszeichnete. Dann folgt eine lateinische Angabe, aus der hervorgeht, dass hier die „Urbs“ und die „Porta“ zu sehen ist, wie es ja auch der Fall ist. Der Kupferstich hat ebenfalls Titel „Symbola B(eata). Mariae“. Es ist Nummer zwölf einer Serie von Kupferstichen, die Pfeffel 1738 für den Franziskanerorden herausgebracht hatte.
Olgerd Grosswald: Der Kupferstich des XVIII. Jahrhunderts in Augsburg und Nürnberg, München 1912.
Hugo Prinz: Altorientalische Symbolik, Berlin 1915.
Roger Paas (Hrsg.): German engravings, etchings and woodcuts, 1400-1700, Bd. 40: Joachim von Sandrart, Joachim von Sandrart the younger, Johann von Sandrart, Johann Jacob von Sandrart, Lorenz von Sandrart Rotterdam 1995.



