Johann Eberhard Ihle (1727-1814), Adam Ludwig Wirsing (1733-1797): Katholische Bibelausgabe (1763)

Die Bilderbibel „Historiae Biblicae“, die die Klauber-Brüder 1748 erstmals der Öffentlichkeit präsentierten, hatte auf die Kunstentwicklung einen gewaltigen Einfluss, mit den üppigen Rokoko-Illustrationen konnten Joseph und Johann Klauber ein Bedürfnis ihrer Zeit abdecken. Überall entstanden in den Folgejahren jetzt Klauber-Kopien. Auch für die Darstellung des Himmlischen Jerusalems lässt sich das belegen.
1763 erschien in Nürnberg beim Drucker Johann Joseph Fleischmann die „Catholische Bibel, das ist die ganze Heilige Schrift alten und neuen Testaments“. Seite 275 des Teils zum Neuen Testament zeigt in der Mitte des Blattes einen Kupferstich der Breite von 20 und Höhe von 13 Zentimetern. Die Anlage der Stadt ist, bis zu der Anordnung der Häuserviertel, exakt von Klauber übernommen worden. Es scheint aber, dass die Kopie seitengedreht wurde. Weht die Fahne des Siegeslammes auf dem Zionsberg bei Klauber nach rechts, so bei der 1763er-Ausgabe nach links. Dementsprechend haben auch Johannes und der Engel auf dem Berg von der rechten Seite auf die linke Seite getauscht. Gerade im Bereich außerhalb der Stadt wurde der Stich radikal vereinfacht, da für eine kleine Bibelmarginalie von gerade einmal 20 x 13 Zentimetern kaum Platz vorhanden war. Die Engelsfiguren im Hintergrund sind komplett gestrichen worden, ebenso das Wegschließen Satans auf tausend Jahre, was bei Klauber noch unten links gezeigt wurde. Die bizarren Wolkenformationen des Originals wurden beruhigt, so finden sie sich lediglich um den Thron Gottes über der Stadt und um die Stadtmauern herum. Dort ist allerdings eine Ungeschicklichkeit unterlaufen: Die gerundeten Wolkenformationen sind so über die Engelsfiguren gesetzt, dass es den Eindruck erweckt, als würden sich links und rechts der Stadtmauern Alleen entlang ziehen.

Verantwortlich für den Entwurf war Johann Eberhard Ihle (1727-1814) aus einer weit verzweigten Esslinger Künstlerfamilie. Durch Heirat wurde er in Nürnberg ansässig, trat der dortigen Malerakademie bei und wurde schließlich ihr Direktor. Ihle gehörte zu den bedeutendsten Nürnberger Porträtmalern des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Adam Ludwig Wirsing (1733-1797) stammte aus Dresden, auch er emigrierte in die Freie Reichshauptstadt (und Kunstmetropole), wo er eine Kunsthandlung übernahm. Eigene Arbeiten betrafen meist Blumen, Tiere und Porträts. Sowohl Ihle als auch Wirsig waren vermutlich Protestanten. Als Sakralkünstler sind sie kaum hervorgetreten, vermutlich erklärt dies, dass sie sich bei dieser Bibelausgabe anderer Quellen bedienten (nicht nur Klauber). Solche Großaufträge (mit bis zu hundert Einzelstichen) dienten vor allem der Existenzsicherung.

 

tags: Rokoko, Bibelausgabe, Nürnberg
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