Jakob Berwanger (1900-1959): Chorfenster aus St. Mariä Empfängnis in Köln-Raderthal (1954)
Die Glasmalereien im Chor der römisch-katholischen Kirche St. Mariä Empfängnis in Köln-Raderthal ist ein typisches Kunstwerk der Nachkriegszeit. Im Kern handelt es sich bei der Kirche um einen historistischen Bau von 1906. Mehrfach, 1942 und 1944, erlitt das Backsteingebäude in Hallenbauweise schwere Kriegsschäden, so dass am Ende des Krieges nur noch die Umfassungsmauern standen – alle originalen Glasmalereien waren zu Bruch gegangen. Der Wiederaufbau zog sich über drei Etappen hinweg, 1951, 1961 und schließlich 1980/81. Der Einbau neuer Buntglasfenster war zwar schon 1951 vorgesehen, konnte aber erst 1954 erfolgen.
Jakob Berwanger (1900-1959) erhielt dazu den Auftrag, es wurde in seinem gesamten Schaffen sein wichtigstes öffentliches Werk. Berwanger ist hauptsächlich als Maler und Zeichner von Landschaften und Architektur hervorgetreten. Zu dem Auftrag für die Glasmalerei in St. Mariä Empfängnis kam es, da Berwanger die Kirche schon vor ihrer Zerstörung kannte und familiäre Beziehungen in die Gemeinde hatte. Auch wissen wir, dass der Entwurf wie die Umsetzung in erster Linie auf Berwanger zurück ging – dass berichtet ein Brief der Domverwaltung vom 12. Mai 1953, die dem Künstler bei seinem Projekt „freie Hand“ zusicherte. Berwanger entwarf einen Marienzyklus, bei dem das erste und das letzte Fenster aufeinander Bezug nimmt: Links wird die Verkündigung an Maria, rechts ihre Krönung gezeigt.

Berwangers Vorbild war bei der Krönung die Darstellung der Maria Immaculata (auch Tota Pulchra), die oft eine Krönungsszene zeigt – am bekanntesten sind sicherlich die Fassungen von Joan de Joanes aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Bei Berwanger ist es Christus, der diese Krönung, die die Bibel nicht kennt, vornimmt. Gewöhnlich werden zahlreiche Symbole um Maria angeordnet – hier sind es lediglich drei: unten die Sonne und der Mond, oben die Himmelspforte. Berwanger mit einer Tendenz zur Vereinfachung, Reduktion und Abstraktion zeigt keine klassische Himmelspforte, sondern einen Rundbau mit eigenen Akzenten. So setzt er eine Scheibe hinter die Pforte, was göttliche Präsenz andeutet, da von ihr breite Lichtstrahlen nach unten führen. Gleichzeitig dient diese Scheibe der Pforte als Giebel. In der Ikonographie ist solches nicht Unbekannt, das Bauwerk ähnelt entfernt an den Monopterus auf dem Michaelsaltar in Brauweiler (1561).

Pfarrei St. Mariä Empfängnis Köln-Raderthal (Hrsg.): Katholische Pfarrgemeinde St. Mariä Empfängnis Köln-Raderthal, 1901-1951, Köln-Raderthal 1951.



