Das 20. Jahrhundert war keine große Zeit der Maria-Immaculata-Darstellungen mehr – man findet eigentlich Nichts, was es nicht schon im 17., 18. oder 19. Jahrhundert gegeben hat. Die Klöster und Kirchen waren inzwischen ausreichend mit diesem Bildmotiv ausgestattet, so dass sich der Bedarf verschob. Die wenigen anonym entstandenen Arbeiten wurden nicht länger für Kirchen oder Klöster angefertigt, sondern von Beginn an für den internationalen Kunsthandel. Fast alle Beispiele aus dem 20. Jahrhundert findet man heute in Privatsammlungen, so gut wie immer außerhalb von Lateinamerika, vornehmlich in Ländern, in denen die großen Auktionshäuser beheimatet sind.

Peru war weiterhin im 20. Jahrhundert das Kunstzentrum bezüglich der Maria Immaculata. Dieses Beispiel einer Marienkrönung erscheint ganz im Kolonialstil des Hochbarock, aber entstanden ist es erst im 20. Jahrhundert, vielleicht nach einer konkreten Vorlage, die noch nicht aufgefunden wurde oder die inzwischen verloren ging – erhalten hat sich eine vergleichbare Ölmalerei von Marcos Zapata. Die Civitas Dei ist hier nicht dargestellt, aber oben links eine schräg gestellte, ockergelbe Pforte, überzogen mit einem an den Barock angelehnten gekräuselten Ornament.

Dieses Beispiel im Stil der Neorenaissance, angelehnt an neuspanische wie europäische Arbeiten aus dem 17. Jahrhundert, wurde um 1920 in Mexiko hergestellt. Die Größe des Bildes beträgt 150 x 90 Zentimeter. Die Himmelspforte oben links erscheint als monolithischer Block, der gerade noch von den Strahlen Mariens erreicht wird. Die gekräuselte Struktur der Strahlen setzt sich im Ornament der Pforte fort. Sie hat, wie andere Mariensymbole dieser Ölmalerei, eine einheitlich rotbraune Färbung. Das gilt auch für die Civitas Dei, die allerdings wesentlich schwieriger aufzufinden ist. In ihrer Gestalt sind es lediglich einige Wohnbauten um einen Kirchturm versammelt, ähnlich wie auf einer Malerei von Francisco Bejarano aus dem frühen 17. Jahrhundert.


