Lode Keustermans (geb. 1930): Gemälde „Himmlisches Jerusalem“ (1996)

Im Jahr 1996 entstand die Serie „L’Apocalypse“, die noch im gleichen Jahr in der römisch-katholischen Abtei Orval in Südbelgien, dann 1997 in der Kathedrale St-Michel in Brüssel und später in der französischen Hugenottenkirche von Millau und in der belgischen Abtei Maredsous öffentlich gezeigt wurde. Die Serie auf Aquarellbasis stammt von Lode Keustermans (geb. 1930) aus Antwerpen. In „Jérusalem céleste“ („Himmlisches Jerusalem“) ist ein Zustand der absoluten Abstraktion erreicht, wie bei Werken seiner Kollegen Ingrid Vetter-Spilker (1992), Matej Metlikovič (1996), Tabin-Darbellay (1997) oder Fred Tomaselli (1999) – offensichtlich waren gerade die 1990er Jahre eine Zeit, wo das Motiv Himmlisches Jerusalem auf einmal bei freien Arbeiten neben der sakralen Auftragskunst abstrakt dargestellt wurde, obwohl die abstrakte Kunst eine viel länger zurückreichende Tradition besitzt.
Blau und Rot sind die dominierenden Farben dieser Malerei Keustermans‘ – allein in der Farbwahl mag man eine Aufnahme oder Anspielung an das Jerusalem-Motiv erkennen, da diese zwei Farben seit dem Mittelalter für die heilige Stadt stehen. Die Farben gehen weich ineinander über, sie vermischen und überdecken sich. In dem oberen Bereich wird es merklich heller, hier strahlt gelb-weißes Licht von einer Quelle rechts oben, außerhalb des Bildes, hinein.
Tanz und Musik durchzieht viele von Keustermans‘ Arbeiten, so auch „Jérusalem céleste“, in dem man, wenn man möchte, bis zu vier tanzende schwungvolle Figuren erkennen kann. Ähnlich wurden viele seiner Werke charakterisiert, etwa: „Lode Keustermans malt den Tanz in seiner Kindheit. Er fängt die Bewegung ein, während sie vorbeizieht, und fixiert sie auf der Leinwand“ (Luc Norin, Tageszeitung La Libre Belgique).

Jean-Claude Gianadda, Lode Keustermans: Prières glanées, Namur 2005.
Claus Bernet: Gemälde, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 21).

 

tags: abstrakt, Belgien
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