Berend Hendriks (1918-1997): Glasfassade der ehemaligen Kirche Sint Dominicus in Rotterdam (1960)

Es ist kaum zu glauben, dass bis vor kurzer Zeit in der Innenstadt von Rotterdam noch eine größere Kongregation von Dominikanermönchen präsent war, deren Geschichte hier bis ins 15. Jahrhundert zurückreichte. Im Zuge der Dechristianisierung der Niederlande verließ die Mönchsgemeinschaft den Ort im Sommer 2024. Über einige Monate hinweg wurde versucht, zumindest den Kirchenbau als „Het Steiger, Sint Dominicus Citykerk“ für Gottesdienste zu nutzen, doch es waren für den großen Kirchenbau viel zu wenige Besucher. Die letzte Messe fand am 26. Januar 2025 statt, seitdem verfällt der Bau mit negativen Auswirkungen auf das Umfeld: Die Wände mit Graffiti beschmiert, die Scheiben eingeschlagen, überall Müll und Verwahrlosung, im ehemaligen Klostergarten ein Ort der Drogen, Kleinkriminalität, Obdachlosigkeit. Gleichwohl hat der Bau Aufnahme gefunden in die Liste der hundert bedeutendsten Denkmäler der Zeit von 1940 bis 1958, die 2007 von Ronald Plasterk, dem damaligen niederländischen Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, erstellt worden war. Ausdrücklich wurde in der Begründung die Fassade mit dem Neuen Jerusalem als „imposant“ hervorgehoben: „Es ist ein einzigartiges Beispiel für modernen Eklektizismus. Der Komplex befindet sich fast vollständig im Originalzustand. Die Kombination aus Pfarrkirche und Kloster aus dieser Zeit in diesem Zustand macht das Ganze einzigartig. Durch die Nutzung der Sichtachsen, der Höhenunterschiede und architektonischer Elemente (imposante Fassaden, markante Glockentürme) wirkt das Ensemble monumental“. Es gibt Pläne, die inzwischen profanierte Kirche als neuen Standort für das Museum Rotterdam zu nutzen – ob aber die Sakralkunst in die Museumskonzeption integriert werden kann oder soll, ist jedoch ungewiss.
Einst wurde der Bau der römisch-katholischen Kirche mit viel Optimismus angegangen. Nach gut zwanzig Jahren Planung wurde sie schließlich als Sint Dominicus in Rotterdam (Sankt Dominikus) mit Geldern aus Deutschland als Teil der Wiedergutmachung für die Zerstörungen von 1940 und der Folgejahre neu errichtet. Es handelte sich dabei um die ehemalige mittelalterliche Stadtkirche des Dominikanerordens in Rotterdam. Die Verwaltung des Ordens hatte Berend Hendriks (1918-1997) beauftragt, ein Wandfenster zum Thema Himmlisches Jerusalem zu gestalten. Seine Lösung war diesmal anders als bei seiner kurz zuvor gestalteten Emmauskerk in Berkum und überrascht durch Einfallsreichtum.

Die mehrere Meter große Arbeit an der Südwand basiert auf Buntglassteinen zwischen horizontalen und vertikalen Betonstreben, was dem Ganzen den Eindruck eines Rasters verleiht. Die neu Betonstreben sind nach unten in fünf oder sechs Waben unterteilt, die wie gestapelte Kisten aussehen. Mit bis zu zwanzig Zentimeter haben sie eine ungewöhnliche Tiefe und es bestand zunächst Sorge, dass wegen des damit verbundenen Schattenwurfs überhaupt genug Licht in den Kirchenraum fällt.

In diesem Raster finden sich gelbe Steine in unterschiedlicher Tönung, die aneinandergereiht eine Kette bilden. Manche sehen in dieser Kette die Bauten der Stadt (wie bei Reihenhäusern), andere entdecken eine Kette von Menschen (wie bei einer Prozession); vielleicht hatte Hendriks auch an beides gedacht. Ähnlich wie eine Schnecke ziehen sich die gebogenen Kreise nach innen, nur oben rechts ist der Kreis nicht geschlossen. An dieser Stelle betrachten Johannes auf Patmos und ein Engel (weiße und violette Steine) die visionäre Erscheinung. Ungewöhnlich und 1962 in einem Bericht des Klosters kritisiert wurde die Mitte figürlich nicht gestaltet.

Berend Hendriks: Schilderijen en tekeningen, Nijmegen 1977.
Jan Brand, Alex A. M. de Vries: Berend Hendriks, Arnhem 1990.

 

tags: Niederlande, Rotterdam, Licht, Dominikaner
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