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Kay Birkefeld: Urnengemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Rahlstedt (2015)

Kunstvoll gestaltete Einzelgrabsteine werden seltener, kollektive Grabsteine häufiger, in Umkehrung der gesellschaftlichen Entwicklung: Zwar Schreitet der Individualismus und die Vereinsamung voran, so möchte man nach dem Tod doch gemeinsam mit anderen in Erinnerung bleiben. Vor allem Urnengemeinschaftsgräber profitieren von dieser Entwicklung, und für diese Steine ist dann doch mitunter ein Budget für eine künstlerisch hochwertigere Ausgestaltung vorhanden. Wenn ein Friedhof die Grabpflege übernimmt, müssen sich hier die Angehörigen auch nicht individuell um die Pflege kümmern, so dass diese Gräber immer in gepflegtem Zustand sind und länger als Einzelgräber stehen.
Auf dem evangelische Friedhof von Hamburg-Rahlstedt findet man ein Ensemble von mehreren Steinblöcken um eine Sitzbank lose verteilt, das von Friedhofsmitarbeitern auch schon mal als „Hamburger Stonehenge“ bezeichnet wird. Man findet es auf Feld 23, Nr. 1.

Die Steinböcke sind als Stelen gearbeitet, sie haben unterschiedliche Größen, ihre Funktion ist, die Namen der Verstorbenen wiederzugeben. Eine dieser Stelen ist doppelt so groß wie die übrigen, sie wurde als einzige bildhauerisch mit Motiven bearbeitet. Bei diesem Urnengrab-Ensemble handelt es sich um eine christliche Grablege, geschaffen von dem Steinmetzmeister Kay Birkefeld von der Hamburger Firma Braun & Kohler im Jahr 2015.

Bei dem höheren Stein (170 Zentimeter) zieht sich im oberen Bereich ein Kranz von Häusern um den Stein, mehrstöckige Wohnbauten mit unterschiedlichen Dachformen. Zwei solche Häuserreihen wurden übereinandergesetzt, in den Ecken finden sich zusätzlich Türme mit mittelalterlichen Zinnen. Zwischen und unter den Bauten hat Birkenfeld gelegentlich Tore eingefügt. Während die Wohnbauten glatt geschliffen ist, hat er die Füllung der Tore grob behauen. Neben den Namen der Verstorbenen trägt die Stele auch einen Trost- oder Hoffnungsspruch: „Dem Leben sind Grenzen gesetzt / doch die Liebe ist grenzenlos“. Dieser Spruch kam wenige Jahre zuvor auf, seine genaue Herkunft ist nicht bekannt.

Matthias Habel: Ein Rundgang über den Rahlstedter Friedhof, in: Rahlstedter Jahrbuch für Geschichte & Kultur 2o15, Hamburg 2015, S. 56-59.
Michael Schulze, Jörg Meyer: Der Rahlstedter Friedhof seit 1829, in: Der Rahlstedter. Mitteilungen des Bürgervereins Rahlstedt e.V., 1, 2016, S. 13-14.

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tags: Hansestadt Hamburg, Jerusalemsstele, Grabstein
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