1519, Livilliers, Île-de-France, Frankreich, 1 © Claus Bernet

Maria-Immaculata-Darstellung aus der Kirche Notre Dame de la Nativité et Saint Fiacreder von Livilliers (1519)

Im Gegensatz zu vielen anderen Mariendarstellungen des 16. Jahrhunderts ist diese Steinmetzarbeit nie bemalt worden. Sie hat ihre originale variierende, warme Naturfarbe; je nach Lichteinfall erscheinen einige Details eher weißlich, andere gräulich bis gelblich. Nur manche der Symbole sind, wie die Himmelspforte, mit einem Band versehen, das jedoch nicht beschriftet wurde.

Links oben ist hier die Himmelspforte gesetzt, als offener Triumphbogen mit zwei niedrigen Seitentürmen, dazwischen ein schweres Satteldach. Die Pforte steht einen Spalt offen, ihr Fallgitter ist nach oben gezogen, wie auf einer ähnlichen Arbeit von Jean Crocq (um 1510).

Bei der Civitas Dei (rechte Seite, unten) wird, im Gegensatz zu einer eher schlossähnlichen Wiedergabe der Gottesstadt, der zeitgenössische Festungscharakter mit hohen, massiven Mauern, Bastionen und Schießscharten betont. Das Fundament bildet ein Streifen, der sich unten an der Stadt entlangzieht. Die Mauer darüber ist glatt und abweisend. Die Bebauung hingegen erscheint lebendig und vielgestaltig, manche der Häuser und Türme sind im Halbprofil aus dem Kalkstein herausgehauen. Ihre Fenster sind extrem tief in den Stein gehauen; bei einigen der Löcher haben sich Spuren von Glassteinen erhalten.
Zwischen den Symbolen fehlt übrigens das Wichtigste, ohne das die Konzeption eigentlich unverständlich wird. In der Nische, mittig unter Gottvater, befand sich bis mindestens bis 1895 eine beschädigte hölzerne Marienstatue.

Die Steinmetzarbeit ist auf das Jahr 1519 datiert; sie selbst ist damit älter als die sie umgebende Renaissance-Architektur von 1560/75. Man findet die Reliefdarstellung in der römisch-katholischen Kirche Notre Dame de la Nativité et Saint Fiacreder in der Gemeinde Livilliers (Val-d’Oise), nordwestlich von Paris. Hier wurde das zentrale Zugangsportal mit den Symbolen Mariens verziert, auf dem Tympanon in Form eines Segmentbogens. Die Fugen zwischen den Symbolen zeigen heute noch an, dass die Steinplatten nachträglich zusammengesetzt wurden. Durch die Position unter das Tonnengewölbe des Portals sind sie vor dem Wetter geschützt und haben sich besser erhalten als andere Details des Bauwerks. Der erst in den letzten Jahren zunehmende Verfall ist eine Folge des sauren Regens und der Umweltgifte, was es umso notwendiger macht, diese wie andere Kunstwerke, die noch an ihrem Originalstandort zu finden sind, gewissenhaft zu dokumentieren.

Le patrimoine des communes du Val-d’Oise, 2, Paris 1999.
Bernhard Duhamel: Guide des églises du Vexin français. Livilliers, Paris1988.
Catherine Crnokrak: Les contrats de construction du porche de l’église de Livilliers, in: Bulletin de la Société historique et archéologique de Pontoise, du Val-d’Oise et du Vexin, 10, Pontoise 1998.
Claire Guiorgadzé: Église de la Nativité de la Vierge et Saint-Fiacre. Rapport de diagnostic architectural, Paris 2014.
Claus Bernet: Die Frühe Neuzeit. Eine Hoch-Zeit der Jerusalemskultur, Norderstedt 2016 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 5,2).

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