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Textil aus Südschweden (1784)

Das Jahrhunderte alte Textil ist in gutem Zustand und auf den 30. Juli 1784 datiert. Vermutlich an diesem Tag wurde die Stickerei als Wandteppich abgeschlossen. Darunter befinden sich die Initialen AOS, die bislang nicht aufgelöst werden konnten. Es ist aber keine Arbeit von nur einer Person, sondern es wurde die Mitarbeit von mindestens drei Näherinnen identifiziert. Diese Personen hatten keine akademische Ausbildung, sondern erlernten ihr Handwerk im häuslichen Bereich von Generation zu Generation. Daher werden solche Werke der Volkskunst zugerechnet, was nichts über die Qualität, sondern über den Stil eines Werkes aussagt. Dieses Beispiel ist im südlichen Schweden in der Gegend um Andrarum in der Provinz Skåne entstanden, unter zurückhaltendem Einsatz mit blauen und roten Fäden, wobei der überwiegende Hintergrund weiß blieb. Künstlerisch wie kulturell herrschte ein dänischer Einfluss vor, was man anhand der Uniformen und Trachten dieses Textils festmachte.
Mehrere rechteckige Bildtafeln der Gesamtgröße 9,80 mal 11,70 Meter bringen hier Motive der Genesis mit denen der Johannesapokalypse zusammen. So sind zahlreich Tiere wie im Paradies auf einer mit Blumen angedeuteten Wiese versammelt: ein Pelikan, ein Eichhörnchen, aber auch eher exotische Lebewesen wie eine Giraffe, ein Löwe, ein Elefant und sogar ein Fabeltier, das Einhorn. Das ganze Geschehen mündet an der rechten Seite in einer umfassenden Darstellung des Neuen Jerusalem, in einer Form ohne bekanntes Vorbild und auch ohne Nachahmung. Im unteren Bereich ist ein großes blaues Tor zu sehen, dessen schmiedeeiserner Beschlag schwungvoll Formen des Rokoko annimmt. Mauerwerk oder Verputz ist mit einfachen roten Strichen angedeutet. Über Rechtecken, die an Fachwerkgebäck erinnern, erheben sich mehrere Bauten. Es sind einzelne Türme in unterschiedlicher Größe, zwischen denen ein Kirchengebäude gesetzt ist, welches selbst wieder drei eigene Türme besitzt. Dass es sich um die himmlisches Zone handelt, belegen drei Engelsfiguren, von denen einer mit einem Maßstab die Stadt ausmisst, wie es in der Apokalypse beschrieben ist. Auch der Lebensbaum mit seinen Früchten ist zu finden. Über der Stadt (hier nur ansatzweise zu sehen), ist eine Gruppe von Menschen eingefügt, die sich um Christus versammeln. Es handelt sich nicht etwa Erlöste um Christus Pankrator, sondern um eine Folterszene aus der Passionsgeschichte, die mit dem Neuen Jerusalem nicht in direktem Zusammenhang steht.

Elisabeth Berglin: Djursviter på sydvenska bonadsmå lnigar. Lund 1987.
Elisabeth Berglin: „Kom människa och se… Ett försök to tolkning a Andrarumsbonaden på Kulturen“, in: Kulturen 1989. En årsbok till medlemmarna av Kulturhistoriska föreningen för södra Sverige, 1989, S. 81-94.
Elisabeth Berglin: En bonadsmålare och hans värld, Johannes Nilsson i Breared, Lund 2000.

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tags: Schweden, Teppich, Rokoko, Volkskunst
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