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Rudolf Heltzel (1907-2005): Lauretanische Madonna aus Bad Wilsnack (um 1962)

Auch Brandenburg hat eine Maria Immaculata. Man findet sie ausgerechnet in der evangelischen Wunderblut- und Wallfahrtskirche von Bad Wilsnack. Dort muss man allerdings erst einmal suchen; das Kunstwerk hat Platz gefunden im rechten Seitenschiff in einer Wandnische, die rückwärtig zur Gemeinde bzw. zum Ausgang liegt. Wer allerdings Bad Wilsnack gefunden hat, wird sicherlich auch dieses Kunstwerk finden. Obwohl das Werk die Symbole der lauretanischen Litanei zeigt, wird es von der Gemeinde nicht als Maria Immaculata, sondern als Lauretanische Madonna bezeichnet, was sie zweifelsfrei ebenso ist. Genausogut hätte man sie auch als Wilsnacker Madonna einführen können, um einmal eine eigene Tradition zu begründen, als immer wieder Vorhandenes zu kopien. In der Ausführung ist die Arbeit aber alles andere als eine Kopie. Dominiert wird das Werk von der weißen Marienfigur mit dem Jesukind, die sich beide scharf von dem dunklen Hintergrund, der bei Dämmerung fast schwarz erscheint, abheben und zu leuchten scheinen. Dort wurden auf einer leicht gerundeten, konkaven Tafel Symbole Mariens herausgearbeitet, darunter rechts eine Himmelspforte mit weit nach außen geöffneten Flügeln und rechts zwei Bauten der Gottesstadt. Ähnlich wie bei dem Turm der Pfarrkirche von Wien-Liesing (1955) oder der Tür der Kathedrale von Manila (um 1957) sind die Darstellungen hochgradig abstrahiert und von zurückgenommener Figürlichkeit, was aber nicht verhindert, dass man sie, ähnlich wie Verkehrsschilder, schnell erkennen und verstehen kann.
Rudolf Heltzel (1907-2005), ursprünglich aus Böhmen, hat viele Jahre als Maler und Bildhauer in Berlin gearbeitet, wo er in Schöneberg sein Atelier führte. Neben seinen Landschaftsmalereien waren kirchliche Bildwerke sein zweiter Schwerpunkt. Entstanden sind Kreuze, Krippen, Kreuzwege, Kruzifixe und Madonnen, wie die Schutzmantelmadonna in der Kapelle des Christian-Schreiber-Hauses in Alt-Buchhorst. Ein Werkverzeichnis existiert noch nicht.

Die Skulptur besteht aus Lindenholz und Mooreiche. Entstanden ist sie um das Jahr 1962. Das Werk aus dem Nachlass des Künstlers wurde 2007 der Kirche St. Nikolai von Ingrid Heltzel-Schwombeck, der Ehefrau des Künstlers, vermacht. An den jetzigen Aufstellungsort passt es hervorragend, da die Wunderblutkirche über die Jahrhunderte durch verschiedene Brände, Plünderungen aber auch selbst vorgenommene Purifizierungen einen großen Teil ihrer Kunstwerke, ihrer Ausstattungen, auch Glasfenster und Wandmalereien, verloren hat. Zurückgeblieben ist ein ruinöser Bau, der für Gottesdienste sowie für Pilgerbesuche wenig einladend wirkte. Als Pilger kommen übrigens kaum Evangelische, sondern eigentlich Menschen aus vielen Religionen. Auch katholischen Pilgern etwas zu bieten hat bei der Aufstellung der Madonna eine Rolle gespielt.

Bernd Juds: Rudolf Heltzel. Sakralbildhauer und „malender Fontane“, in: Deutsches Ärzteblatt, 99, 9, 2002, S. A 581.
Maria Dunkel (Hrsg.): Rudolf Heltzel. Lebenslandschaft – Fünf Jahrzehnte Atelier Kolonnenstraße, Berlin 2005.
Reinhard Jung: Wunderblutkirche St. Nikolai Bad Wilsnack, Bad Wilsnack 2011.

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tags: Maria Immaculata, Brandenburg, Civitas Dei, Porta Coeli, Skulptur, Pilgern
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