Claus Pohl: Tabernakel aus St. Mariä-Himmelfahrt in Essen (um 1960)

Die römisch-katholische Kirche St. Mariä-Himmelfahrt in Essen-Altendorf war bis vor dem Krieg eine Perle des Ruhrgebiets, bis 1943 durch Fliegerangriffe vor allem die Inneneinrichtung so gut wie vollständig zerstört wurde. Ein ernüchternder Wiederaufbau hat von der einstigen Schönheit nicht mehr viel übrig gelassen. Unter Denkmalschutz steht der Bau auch nicht aus künstlerischen, sondern aus städtebaulichen Gründen, da sich die ursprüngliche Fassade erhalten hat, übrigens gegen den Widerstand des Architekten, der die Kirche lieber als Neubau im Kastenstil neu errichtet hätte.
Zu den bedeutenderen liturgischen Gerätschaften gehört heute ein Tabernakel, der einst im Chorbereich von St. Anna in Essen stand. Dort thronte er auf einer etwa 1,50 Meter hohen graublauen sechseckigen Stele, von der sich nur der obere Ansatz erhalten hat. Nach der Außerdienststellung dieser Kirche 2008 gelangte das Kunstwerk schließlich an seinen heutigen Aufstellungsort, dem rechten Seitenaltar von St. Mariä-Himmelfahrt. Genutzt wird er lediglich am Gründonnerstag, wenn der Hauptaltar geschlossen ist.
Vergleicht man diesen Tabernakel mit anderen Liturgica (etwa Arbeiten von Bernhard Schoofs, Karl Franke oder Walter Klocke) kommt man zu dem Schluss, dass er vermutlich in den 1960er Jahren im Ruhrgebiet entstanden ist. Bei dem Künstler handelt es sich um Claus Pohl (geb. 1932) aus Duisburg.

Das Objekt hat keine einheitliche Schauseite, sondern besitzt vorne zwei schräg aufeinander zulaufende Platten, die einen nach vorne gerichteten Keil in der Mitte entstehen lassen. Aus der grob modellierten Oberfläche erwachsen zwölf Tore, die in einem Oval angeordnet sind. Die Tore wie auch rechteckige Mauerpartien zwischen ihnen sind allesamt vergoldet, während in die dunkeln, fast schwarzen Torbögen jeweils ein heller, weißer Bergkristall gesetzt ist, die für die zwölf Perlen der Stadt stehen. 

Claus Pohl: Himmelskronen. Vortragsmanuskript Rotary Club Duisburg, 12.9.2000.
Alfred Kalis (Bearb.): St. Mariä Himmelfahrt Essen-Altendorf: 1889-1989, Essen 1989.
Heinz Pletziger: Claus Pohl, Duisburgs Gold- und Silberschmied. Das Material stellt Fragen, der Künstler muss die Antwort finden, in: Duisburger Jahrbuch, 2013 (2012), S. 148-153.

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tags: Tabernakel, Essen, Ruhrgebiet, Perlen, Bronze
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