Wandfresko mit Maria-Immaculata-Darstellung aus Saint-Révérien in Burgund (um 1520)

Die Wandfresken in einer Kuppeldecke der römisch-katholischen Kirche von Saint-Révérien in Burgund sind aus dem frühen 16. Jahrhundert. Als Thema wählte man damals das Modernste, was zu jener Zeit auf dem Kunstmarkt zu bekommen war: eine Darstellung der Maria Immaculata mitsamt ihren Symbolen nach der Lauretanischen Litanei.

Betritt man die Kirche, sind die Malereien zunächst nicht zu sehen. Sie befinden sich in einer sogenannten Cul-de-four, also in einer Halbkuppel im Chorumgang direkt hinter dem steinernen Altar und der stehenden Marienfigur. Eine weitere Marienfigur als Malerei ist das Hauptmotiv darüber. Bei dieser ist nicht nur der Haarschmuck bemerkenswert (eine Mode um 1510 bis etwa 1535), sondern vor allem, dass ihr Mantel hier weiß mit einer roten Bordüre ist, was kaum einmal zu finden ist.

Links von Maria ist auf türkisfarbenem Hintergrund die Himmelspforte (Porta Celi) abgebildet (s.o.), als kompakte, geschlossene Stadttoranlage samt zweier (identischer) Wappen auf den Seitenrundtürmen. Es handelt sich nicht um das historische Wappen einer Stadt, eines Ordens oder einer Gemeinde, sondern vermutlich um ein Produkt der Fantasieheraldik.

Die Civitas Dei erscheint rechts von Maria als spätmittelalterliche Burganlage, einschließlich Fallgitter und mit mehreren Wehrtürmen, die individuell und abwechslungsreich ausformuliert wurden. Über den Mauern ragen noch einige Bauten der Stadt aus dem Hintergrund hervor. Bei diesem Mariensymbol ist der umgebende Hintergrund ein tieferes Blau als zuvor.
Leider sind der Künstler oder die Malerschule, die hier tätig waren, nicht bekannt. Beide Marienmotive sind im Aufbau zum Verwechseln ähnlich gestaltet, können aber Dank der lateinischen Beischrift klar unterschieden werden. Vielleicht war die Verwechslungsgefahr einst auch ein Grund, diese Beschriftung einzuführen.
Darstellungen der Mariensymbole als Wandfresken haben sich übrigens kaum einmal über die Jahrhunderte in dieser Qualität erhalten können. Auch in Saint-Révérien waren sie durch einen schweren Kirchenbrand bedroht, konnten jedoch gerettet werden. Die beiden Symbole Pforte und Himmelsstadt werden hier im restaurierten, aktuellen Zustand (2026) präsentiert. Will man in Frankreich ähnlich alte Wandmalereien vergleichen, bleibt lediglich der Verweis auf schlechter erhaltene Beispiele wie in der Kirche Saint Michel in Montaner.

Adolphe François Chauve-Bertrand: L’eglise romane de Saint-Révérien, Clamecy 1951.
Guy Lobrichon: Bourgogne romane, Lyon (2013).
Claus Bernet: Maria Immaculata. Das katholische Jerusalem, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 14).

 

tags: Fresko, Burgund, Frankreich, Maria Immaculata, Porta Coeli, Civitas Dei
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