Johannes Cassianus: „De institutis coenobiorum“ (1498)

Zu sehen ist der zentrale Teil der Eröffnungsseite fol. 1r einer Ausgabe der Schriften des Mönches Johannes Cassianus aus dem 15. Jahrhundert, die heute in der Französischen Nationalbibliothek in Paris aufbewahrt wird (Codex Cassianus, Signatur Ms. Lat. 2129). Sie hat den Titel „De institutis coenobiorum“ (also: „Regeln und Einrichtungen der Könobiten“) und wurde im Jahr 1498 in Florenz und Budapest angefertigt. Fromme Pilger schreiten auf dem Weg nach oben voran. In der Mitte müssen sie durch eine enge Himmelspforte, die zu einer prächtigen Kirche gehört. Im Hintergrund geht es auf zwei Wegen voran zum Himmlischen Jerusalem, welches sich auf zwei Plateaus rechts und links oben befindet. Hier kann die Stadt als Anspielung auf das monastische Leben gemäß des 5. Matthäuskapitels gelesen werden: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein“. Man findet vergoldete Bauten, den Baum des Lebens, paradiesische Wiesen und ganz rechts einen prächtigen Haupteingang in diese ungewöhnliche Stadtanlage. Manche sehen in den beiden Plateaus auch eine Gegenüberstellung von Jerusalem und Babel, aber es bleibt dabei letztlich offen, welche Jerusalem und welche Babel sein soll. Gezeigt werden auf der Miniatur ausschließlich fromme und rechtschaffene Pilger; Personen, die man Babel zuordnen könnte, fehlen.

2129. – Cassianus, De institutis coenobium, in: Philippe Lauer (Hrsg.): Nos 1439-2692, Paris 1940, S. 331-332.
Franz Neiske: Europa im frühen Mittelalter 500-1050. Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte, Darmstadt 2007.
Jirí Fajt (Hrsg.): Europa Jagellonica: 1386-1572, Kutná Hora 2012.
Claus Bernet: Miniaturen des Mittelalters, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 28).

 

tags: Mönch, Renaissance, Italien, Ordensregel, Plateau, Babel, Frühe Neuzeit, Französische Nationalbibliothek Paris
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