
Weltgericht aus der Friedhofskirche St. Peter und Paul in Prachatitz (Prachatice), um 1500
-
Claus Bernet
- Januar 7, 2022
Ein Meisterwerk der süddeutschen Renaissance besitzt die Friedhofskirche St. Peter und Paul in Prachatitz (Prachatice), damals ein wichtiger Ort am Goldenen Steig, dem alten Handelsweg von Passau nach Prag.
Die insgesamt 450 x 400 Zentimeter große Wandmalerei der Friedhofskirche von etwa 1490 zeigt im Presbyterium auch hier das Weltgericht in zum Teil dramatischen Einzelszenen. Die Architektur des Himmlischen Jerusalem ist hier jedoch anders als sonst üblich repräsentiert: Unten links ist ein grau-schwarzer Block eingesetzt, eine Art erweiterte Himmelspforte als Neues Jerusalem. Auch wenn der Bau einheitlich grau gehalten ist, so besitzt er doch ausgeprägte Renaissance-Schmuckelemente. Über der Pforte sind sogar zwei Wappen aufgemalt.
Es handelt sich eindeutig um das Wappen der Familie der Rosenberger (Herren von Rožmberk). 1501 war die Stadt samt allen Sakralbauten an den Adeligen Wok II. von Rosenberg (1459-1505) gekommen, für den formal sein Bruder Peter IV. von Rosenberg (1462-1523) die Regierungsgeschäfte führte. Unter diesen Brüdern sind die Fresken entstanden.
Vor dem Treppenaufgang zu der offenen Pforte leitet der weiß gekleidete Heilige Petrus (zu erkennen am Schlüsselbund des Gewandes) einige Seelen in Form kleiner, nackter Menschen in die rettende Stadt, über der eine gewaltige Marienfigur thront. Weitere Tote, alle nackt, erheben sich aus den Gräbern, ihr künftiges Schicksal ist noch ungewiss.
Heimatkreis Prachatitz (Hrsg.): Grenzstadt Prachatice, Friedberg bei Augsburg 1986.
Anna Kubíková: Rožmberské kroniky. Krátky a summovní výtah od Václava Březana, Veduta 2005.
Beitragsbild: Institut f. Realienkunde, Salzburg